Elemente

Elemente heißen die qualitativ nicht weiter zerlegbaren, einfachen Bestandteile von Körpern oder Bewußtseinsinhalten (von Vorstellungen, Begriffen, Willensakten), im engeren Sinne die Grundstoffe der Welt. Die Elemente, welche die Chemie zählt, sind vielleicht Modifikationen eines Urelementes.

Die Elementen-Lehre ist zuerst philosophisch-spekulativ, später erhält sie einen naturwissenschaftlich- empirischen Charakter. Nach der Lehre des Inders KANÂDA gibt es vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Licht. THALES sieht im Wasser, ANAXIMENES in der Luft das Element (ARISTOTELES, Met. I 3, 984 a). Die Pythagoreer nehmen fünf Elemente an (Diog. L. VIII, 25), die sie Zugleich als geometrische Formen bestimmen: Feuer (Tetraëder), Erde (Kubus), Luft (Oktaëder), Wasser (Ikosaëder), dazu noch den Äther (Dodekaëder) (Stob. Ecl. I, 10, 26; Plut., Plac. II, Dox. 334). HERAKLIT betrachtet als Elemente die drei Aggregatzustände Feuer, Wasser, Erde; vielleicht nahm er vier Elemente an (vgl. DIELS, Elementum 1899, S. 15, 21). Nach PARMENIDES gibt es (kata doxan) zwei Elemente (archai): pyr (Feuer) und (Erde) (Theophr., Phys. opin. fr. 6, Dox. 482; Arist., De gener. et corr. II 2, 330 b 14). EMPEDOKLES gilt als der eigentliche Begründer der Lehre von den vier Elementen (Wurzeln, rhizai): Feuriges, Luftförmiges, Feuchtes, Erdiges (tettara men legei stoicheia, pyr aera hydôr gên, Plut. Plac. I, 3, 2, Dox. 286, Diog. L. VIII, 2,76; tessara tôn pantôn rizômata prôton akoue. Zeus argês Hêrê te pheresbio êd' 'Aidôneus Nêstis th' hê dakryois tengei krounôma neikos, Stob. Ecl. I, 10, 286, 288). Die Elemente sind das Beharrende in aller Veränderung (s. d.), die nur in Mischung und Entmischung der Elemente besteht. ANAXAGORAS betrachtet als Elemente die Homöomerien (s. d.), DEMOKRIT die Atome (s. d.). PLATO führt den Namen stoicheion ein (Diog. L. III, 19), nimmt die vier bekannten Elemente an, betrachtet sie aber geometrisch als regelmäßige Körper (epipeda), die aus kleinen rechtwinkligen Dreiecken bestehen (Tim. 53 C). So kann ein Element in ein anderes sich umwandeln, mit Ausnahme des Erdigen (Tim. 54 F.). ARISTOTELES definiert das Element: stoicheion legetai ex hou synkeitai prôtou enyparchontos, adiairetou tô eidei eis heteron eidos, hoion phônês stoicheia ex hôn synkeitai hê phônê eis ha diaireitai eschata, eleina de mêket' eis allas phônas heteras tô eidei autôn (Met. V 3, 1014 a 26 squ.). Element ist ferner das Kleine, Einfache, Unteilbare (dio kai to mikron kai haploun kai adiaireton otoicheion legetai, Met. V 3, 1014 b 5). Es gibt einfache Bewegungen, daher auch einfache Körper, Elemente (eisi gar kai kinêseir haplai. hôste dêlon kai hoti esti stoicheia kai dia ti estin, De coel. III 3, 302 b 9). Es gibt fünf Elemente. Die ersten vier bestehen aus Gegensätzen (enantiôseis): das Feuer aus dem Warmen und Trockenen, die Luft aus dem Warmen und Feuchten, das Wasser aus dem Kalten und Feuchten die Erde aus dem Kalten und Trockenen (De gener. et corr. II 2, 330 b 2-5). Feuer und Luft bewegen sich nach der Peripherie, Erde und Wasser nach dem Zentrum hin (l.c. 330 b 32). Das fünfte (bezw. »erste«) Element, der Äther (s. d.) ist einfacher Natur. STRATO nimmt als Elemente das Warme und Kalte an (Stob. Ecl. I, 10, 298). Die Stoiker halten an der Vierzahl der Elemente fest (Diog. L. VII, 1, 136; Stob. Ecl. I, 10, 314) und unterscheiden diese von den »Prinzipien« (s. d.): Diapherein de phasin archas kai stoicheia. tas men gar einai agenêtous kai aphthartous, ta de stoicheia kata tên ekpyrôsin phtheiresthai. alla kai asômatous einai tas archas kai amorphous, ta de memorphôsthai (Diog. L. VII, 1, 134). EPIKUR nimmt vier Elemente an (Plac. IV, 3, 11, Dox. 388). Urelemente sind die Atome (s. d.), so auch nach LUCREZ, der von ihnen als »elementa« spricht (De rer. nat.). CICERO erwähnt die »quattuor naturas« (De nat. deor. I, 12).

Die Scholastiker rezipieren die Aristotelische Elementenlehre. Die Kabbalâ nimmt drei Elemente (»Mütter«) an: Hauch, Wasser, Feuer. Vier Elemente gibt es nach: NICOLAUS CUSANUS (De coniect. II, 4), BOVILLUS, welcher erklärt: »Elementa sunt ingenita, nullave generatione orta, omnium tamen generationum initia« (De gener. 14, 7), PARACELSUS (De nat. rer. 30, 1), nach welchem sie aus »sal, mercur, sulphur« zusammengesetzt sind, PATRITIUS (Wärme, Licht, Flüssiges, Raum, LASSWITZ, G. d. At. I, 314). Zwei Elemente nehmen an: TELESIUS (Wärme und Kälte), CAMPANELLA (Univ. phil. I, 9, 12; Met. II, 5, 6), J. B. VAN HELMONT (Wasser und Luft). Nach CARDANUS gibt es drei Elemente (Erde, Wasser, Luft); Element ist »dasjenige, was keiner Nahrung bedarf, nicht selbst vergeht, nicht unstet herumschweift, sondern einen bestimmten Platz behauptet, seiner Natur gemäß eine große Masse besitzt und zur Erzeugung geeignet ist« (De subtil. III, p. 44, bei LASSWITZ, G. d. At. I, 309). Nach GOCLEN ist »Element« die »prima materia et forma, quae ex nullis aliis prioribus aut simplicioribus constant«. Er unterscheidet »elementa essendi et cognitionis« (Lex. phil. p. 145). G. BRUNO bestimmt das Element (»minimum«) als »quod ita est pars, ut eius nulla sit pars, vel simpliciter, vel secundum genus« (De min. I, 7). SEB. BASSO nimmt fünf Elemente an (Wasser Erde, Luft, Phlegma, Caput mortuum, LASSWITZ, G. d. Atom. I, 339 f.), DANIEL SENNERT vier: »atomi igneae, aëreae, aqueae, terreae« (l.c. I, 443 f.). G. HORN erklärt: »Elementa sunt particulae corporum minimae, ex quorum confluzu corpora componuntur, effluzu et influzu operantur, diffluzu intereunt« (Arca Mosis 1669, p. 4). P. J. FABER bemerkt: »Die Elementa sind... matrices und Gebär-Mütter aller Dinge. Denn in ihnen liegt der universal und saamliche Geist aller Dinge verborgen« (Chym. Schr. 1713, 1, p. 305). Nach CHR. WOLF ist »Element« ein »principium internum corporum irresolubile in alia, sive primum« (Cosmol. § 181), ein »atomus naturae« (ib.). Die Elemente sind »substantiae simplices« (l.c. § 182), »non sunt extensa, nulla figura atque magnitudine praedita, spatium nullum implent« (l.c. § 184), »indivisibilia«, (l.c. § 185). RÜDIGER bestimmt als Elemente den Äther mld die Luft (»particula radians - bullula«, Phys. divin. I, 3, sct. 6, 7). HERBART nennt als Elemente: Erde, Caloricum, Electricum, Äther (Üb. d. allg. Verh. d. Natur 1828, WW. Kehrb. VI, 435). HILLEBRAND unterscheidet von den empirischen, relativen die wahren Elemente oder Substanzen (Phil. d. Geist. I, 44). Vgl Atom, Monade.


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