Ursache - Wahle, Wundt, Natorp, Mach, Ostwald

Nach R. WAHLE ist Ursache »dasjenige, ohne welches der Eintritt einer gewissen Erscheinung nicht gefolgt wäre« (Das Ganze der Philos. S. 99). B. ERDMANN erklärt: »Ursachen sind Vorgänge, sofern mit ihrer Wirklichkeit die Wirklichkeit anderer erfahrungsmäßig in der Weise verbunden ist, daß, wenn sie eintreten, auch jene eintreten« (Log. I, 580). Nach SIGWART sind die eigentlichen Ursachen »die Dinge mit ihren Eigenschaften oder Kräften« (Klein. Schrift. II2, 37), die kraftbegabten Substanzen. die wechselnden Verhältnisse sind Bedingungen (Log. II2, 179). im weiteren Sinne ist Ursache die »Gesamtheit der Bedingungen« (l. c. S. 134). Nach WUNDT ist Ursache nur »diejenige Bedingung, welche über Beschaffenheit und Größe der Wirkung Rechenschaft gibt«. Ursache und Wirkung sind nicht Dinge sondern Vorgänge. Ursache ißt jenes Geschehen, welches in »unabänderlicher Weise mit der Wirkung verknüpft ist. Da die Ursache stets ein Geschehen ist, also in der Zeit verläuft, so läßt sich ein anschauliches Bild des Kausalnexus nur gewinnen, wenn wir Ursache und Wirkung als sukzedierende Ereignisse denkend betrachten, wenngleich empirisch nicht jede Kausalverbindung in der Form der Sukzession gegeben ist« (Log. I2, 597 ff., 603 ff.. Syst. d. Philos.2, S. 290 f.. Philos. Stud. X, 4). - Nach O. SCHNEIDER ist Ursache »dasjenige Ding mit Eigenschaften, das jederzeit und überall da ist, oder derjenige Zustand eines Dinges mit Eigenschaften, der jederzeit und überall da ist, wenn entweder ein anderes Ding mit seinen Eigenschaften oder auch dasselbe Ding in einem andern Zustande dasein soll« (Transzendentalpsychol. S. 190). »Verursachen heißt die Veränderung des Sachverhaltes herbeiführen« (l. c. S. 193 ff.). Nach FR. SCHULTZE ist »ein psychophysischer Zwang in uns, der uns nicht erlaubt, irgend etwas akausal vorzustellen« (Philos. d. Naturwiss. II, 239). Die Kausalität ist die Grundkategorie des Denkens. Sie hat empirische Gültigkeit (l. c. S. 239 ff., 248 ff., 267), setzt aber ein Ding an sich als Grenze (l. c. S. 368 ff.). Empirisch haben wir es nur mit sekundären Ursachen zu tun. die primären liegen im Gebiete der Metaphysik (l. c. S. 356 f.). P. NATORP erklärt: »Kausalität ist es überhaupt, welche den Begriff der Physis schafft, welche den Gegenstand der Naturwissenschaft erst konstituiert. wer das annimmt, wird nicht einräumen können, daß es andere als physische Ursachen gebe« (Socialpäd. S. 17) »Ursachgesetze sind Zeitgesetze des Geschehens« (l. c. S. 18), nicht so die logischen Gesetze (ib.). - Nach A. MEINONG setzt die Ursache die Notwendigkeit des Anfangs des Wirkens. damit ist die Regelmäßigkeit schon gegeben (Hume-Stud. II, 124). Ursache ist »ein mehr oder weniger großer Komplex von Tatsachen, welche auch nicht den kleinsten Teil einer Zeit zusammen bestehen können, ohne daß die Wirkung zu existieren anfängt« (l. c. S. 128). »Kausalität ist... eine Vereinigung bestimmter Vergleichungs- und Verträglichkeitsfälle« (ib.). sie geht auf die Dinge selbst (l. c. S. 129 f.). A. DORNER betont, das Kausalgesetz sei »nicht bloß eine subjektive Betrachtung des Zusammenhangs von Eindrücken«, sondern besage, daß »reale Tätigkeiten, Aktionen ausgeübt werden« (Gr. d. Relig. S. IX). Das kausale Wesen müssen wir als real denken, sonst ist es eben nicht kausal (l. c. S. 21).

Der Positivismus (s. d.) COMTES ist gegen die Rückbeziehung der Vorgänge auf transzendente Ursachen (s. Kausalität). Nach KIRCHHOFF soll die Mechanik nur angeben, »welches die Erscheinungen sind, die stattfinden«, aber nicht ihre Ursachen ermitteln (Vorles. üb. Mechan. Vorr.). »Kräfte« sind nur ein Mittel, um die Ausdrucksweise zu vereinfachen (ib.). Nach TAIT sind die Kausalprinzipien »widersinnige aprioristische Prinzipien« (Vorles. üb. einige neuere Forsch. d. Phys. 1877, S. 47). R. AVENARIUS, PETZOLDT, E. MACH u. a wollen den Begriff der Ursächlichkeit durch den der Funktion (s. d.), der Abhängigkeit (s. d.) ersetzen (s. Kausalität). E. MACH behauptet, der Ursach-Begriff habe einen »fetischistischen« Zug (Die Mechan. S. 455. Populärwiss. Vorles. S. 269). Nach OSTWALD ist die Kausalität das praktische Ergebnis unserer Bemühungen, für die Beurteilung der Zukunft Erfahrungen zu sammeln und begrifflich zu ordnen (Vorles. üb. Naturphilos.2, S. 296). Ursache für ein physisches Geschehen ist immer eine Energie (ib.). Vgl. H. CORNELIUS, Psychol. S. 355 ff.. H. GRÜNBAUM, Zur Kritik d. modern. Kausalanschauungen, Arch. f. system. Philos., 1899, S. 392 ff. - Vgl. Causa, Kausalität, Prinzip, Wirken, Veränderung, Kraft, Tätigkeit, Wechselwirkung, Parallelismus, Kategorien, Zweck.


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