Unbewußt - Kant, Maas, Fichte, Schelling, Beneke

KANT erklärt: »Vorstellungen zu haben und sich ihrer doch nicht bewußt zu sein, darin scheint ein Widerspruch zu liegen. denn wie können wir wissen, daß wir sie haben, wenn wir uns ihrer nicht bewußt sind... Allein wir können uns doch mittelbar bewußt sein, eine Vorstellung zu haben, ob wir gleich unmittelbar uns ihrer nicht bewußt sind. - Dergleichen Vorstellungen heißen dann dunkle« (Anthropol. I, § 5). Das »Feld dunkler Vorstellungen« ist sehr groß (ib.). Gegen die (absolut) unbewußten Vorstellungen sind die Kantianer. So E. SCHMID: »Es gibt... keine Vorstellung ohne Bewußtsein, ob es gleich einzelne Bestandteile oder Bedingungen oder Gegenstände oder folgen von möglichen Vorstellungen gibt, die nicht im Bewußtsein vorkommen« (Empir. Psychol. S. 184). Nach REINHOLD ist eine Vorstellung, die nichts vorstellt, keine Vorstellung (Vera. ein. Theor. S. 256). Ähnlich lehrt JAKOB (Gr. d. empir. Psychol. § 83). Nach MAASS gibt es »dunkle Vorstellungen« ohne klares, merkliches Bewußtsein (Üb. d. Einbild. S. 64 ff.). Das Bewußtsein ist von der Vorstellung, deren wir uns bewußt sind, verschieden (l. c. S. 69). »Solange eine Vorstellung dunkel ist, und durch dieselbe niemals etwas als ein Gegenstand vorgestellt und vom erkennenden Subjekte unterschieden..., sondern es wird bloß das zu ihr gehörige Mannigfaltige percipiert. In jeder klaren und mit Bewußtsein verknüpften Vorstellung hingegen wird irgend etwas als Gegenstand vorgestellt... Das also, was da macht, daß etwas (nicht bloß percipiert, sondern) als Gegenstand, als etwas Objektives vorgestellt wird, muß das Bewußtsein ausmachen. Dies ist nun nichts anderes als die Tätigkeit der Seele, wodurch das zu einer Vorstellung gehörige Mannigfaltige zusammengefaßt und in eine Einheit verbunden wird« (l. c. S. 71). - WEISS versteht unter unbewußten Vorstellungen die »intensiv unvollendeten« Vorstellungen (Wes. u. Wirk. d. menschl. Seele S. 136, 139).

Eine unbewußte Urtätigkeit des Ich (s. d.), eine »bewußtseinlose Anschauung des Dinges« lehrt J. G. FICHTE (Gr. d. g. Wiss. S. 399). Nach SCHELLING ist der absolute Grund des Bewußtseins »das ewig Unbewußte, was, gleichsam als die Sonne im Reiche der Geister, durch sein eigenes ungetrübtes Licht sich verbirg« (WW. I 3, 609). Nach C. G. CARUS entfaltet sich das Bewußtsein aus dem Unbewußten. dieses wirkt plastisch-organisierend (Psych.2, 1851, S. 13, 18, 21, 56 ff.). Nach BAADER tritt die das Bewußtsein begründende Wurzel nie selbst ins Bewußtsein (Über d. Urternar, 1816). Nach BOLZANO gibt es »bewußtlose Vorstellungen« (Wissenschaftslehre III, § 280, S. 37). J. SCHALLER lehrt: »Jede besondere geistige Tätigkeit hat die unbewußte Totalität des individuellen Wesens zu ihrer konstanten Basis« (Psychol. I, 308). »Das bewußte, freie, geistige Leben ißt ein Prozess, welcher durch eigene Energie sich aus einem ihm nicht entsprechenden unbewußten, unfreien Zustande herauszulösen, zu verwirklichen hat« (l. c. S. 462). - Unbewußte, »verdunkelte«, Vorstellungen als ein »Streben vorzustellen«, als Wirkung der Hemmung (s. d.) aktueller Vorstellungen (s. d.), nimmt HERBART an (Lehrb. zur Psychol. S. 16. Psychol. als Wissensch. I, § 36). Nach BENEKE bestehen Vorstellungen als unbewußte psychische Dispositionen (s. d.) fort, entstehen aus Strebungen (s. d.) (Pragmat. Psychol. I, 34 ff.). -


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