Analyse

Analyse (analysis), logische Auflösung, Zerlegung eines Begriffes in seine Merkmale, eines Bewußtseinsinhalts in seine Elemente (psychologische An.), eines Gegenstands in seine Eigenschaften, Zurückführung des Besonderen auf das Allgemeine. Gegensatz: Synthese (s. d.).

Als Begriffszerlegung bestimmt die Analyse schon ARISTOTELES (vgl. Eth. Nic. III, 5, 1120 squ.), zugleich als Fortgang vom Besonderen zum Allgemeinen. So auch ALEXANDER VON APHRODISIAS: Analytika de, hoti hê pantos synthetou ex hôn hê synthesis autou anagôgê, analysis kaleitai, antestrammenôs gar hê analysis echei tê synthesei, hê men gar synthesis apo tôn archôn hodos estin epi ta ek tôn archôn, hê de analysis epanodos estin epi tas archas apo tou telous eis ta ex (Prantl, G. d. L. I, 623). Diese Definition findet sich noch bei KANT: »Analysis, priori sensu sumta, est regressus a rationato ad rationem, posteriori autem significatu, regressus a toto ad partes ipsius possibiles s. mediatas h. e. partium partes« (De m. sens. sct. I, § 1). LEIBNIZ erklärt: »Analysis haec est: datus quicumque terminus resolvatur in partes formales, seu ponatur eius definitio; partes autem hae iterum in partes, seu terminorum definitionis definitio, usque ad partes simplices, seu terminos indefinibiles« (De arte comb. Erdm. p. 23 a, b). - Nach WUNDT ist die analytische Tätigkeit eine Wirkung der Apperzeption (Gr. d. Psych.5, S. 303). Analyse und Synthese gehen aus der mehrfachen Wiederholung und Verbindung der Beziehungs- und Vergleichungsfunktion hervor, so daß die Analyse zunächst das Produkt der vergleichenden Apperzeption ist (l.c. S. 316). Sie tritt in zwei Formen auf: als Phantasie- und als Verstandestätigkeit (l.c. S. 318). So beruht z.B. das Urteil (s. d.) psychologisch im wesentlichen auf einer analytischen Funktion (l.c. S. 321; dagegen SIGWART, Log. I2, 130 und JERUSALEM, Urteilsf. S. 75). Die Analyse ist die ursprünglichste Erkenntnisoperation, »welche durch die natürliche Beschaffenheit der Erfahrungsobjekte in der Regel zuerst angeregt wird«. Sie gliedert sich in drei Stufen: 1) elementare Analyse, durch die eine Erscheinung in Teilerscheinungen zerlegt wird (in der Chemie), 2) causale Analyse, welche die zerlegten Bestandteile in ihren gegenseitigen Beziehungen erklärt (physikalische, psychologische Analyse); hier sind wichtig die Prinzipien der »Isolation« von Elementen und der »Variation« solcher (beim experimentellen Verfahren), 3) logische Analyse (besonders in der Mathematik). Die Grundformen der Analyse sind das disjunktive, das Abhängigkeits- und das Bedingungsurteil (Log. II2, 1). RIEHL unterscheidet eine analytische, synthetische und analytisch-synthetische Bewußtseinsfunktion. »Mittelst der ersten wird das Beharrliche vom Veränderlichen unterschieden, durch die zweite die Veränderung mit ihrem Grunde verknüpft, durch die dritte endlich alles Wirkliche, Dinge und Vorgänge, als zu einer und derselben Welt gehörig, jedes Einzelne als Teil des Ganzen der Natur gedacht« (Phil. Kr. II, 2, S. 68). Nach SCHUPPE ist jede Analyse eine Erweiterung der Erkenntnis und zugleich eine Synthese, insofern »das als im Ganzen enthalten entdeckte Moment bis dahin unbekannt war« (Log. S. 98). Vgl. Induktion, Methode, Psychologie.

 

 


Vergleiche ferner:

- Analyse (Kirchner: Wörterbuch d. phil. Grundbegriffe)


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
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