Einheit - Husserl, Pythagoras


HUSSERL erklärt: »Alles wahrhaft Einigende... sind die Verhältnisse der Fundierung«. Einheit ist ein »kategoriales Prädikat« (Log. Unt. II, 272 f.). Nach VOLKELT ist die Einheit des Bewußtseins unmittelbar gegeben, sie ist Product einer unbewußten Tätigkeit (Psychol. Streitfr. II; Z. f. Philos. Bd. 92, S. 80, 99 f.; vgl. Bd. 112 u. 118?. NATORP betrachtet die Bewußtseinseinheit als eine ursprüngliche Tatsache (Einl. in d. Psychol. S. 11 ff., 112). SO auch REHMKE; das Bewußtsein selbst ist Einheitsgrund (Allg. Psychol. S. 152 ff., 452 ff.). So auch L. BUSSE, nach welchem sie kein Analogon im physischen Organismus hat (Geist u. Körp. S. 226; gegen HÖFFDING, Psychol.2, S. 62). »Die Einheit des Bewußtseins bedeutet nicht eine besondere Vorstellung, die zu den anderen Vorstellungen gelegentlich noch hinzuträte, sie bedeutet ebensowenig eine Summation der einzelnen, mit der Eigentümlichkeit der Bewußtheit ausgestatteten ›Psychome‹ oder ›Psychosen‹, sondern sie stellt eine dieselben zusammenfassende und sie in Beziehung zueinander setzende formale und allgemeine Eigentümlichkeit alles Bewußtseins überhaupt dar.« »Und für diese Grundeigentümlichkeit des seelischen Lebens mangelt es... an einem physischen Analogon« (G. u. K. S. 226). Nach HÖFFDING ist die Einheit des Bewußtseins ein Produkt synthetischer Tätigkeit in der Vielheit der Zustände (Psychol. S. 64). Ähnlich ARDIGÓ (Unità della conscienza 1898), G. VILLA (Einl. in d. Psychol. S. 469). Nach G. SPICKER setzt die Einheit des Bewußtseins die reale Einheit des Organismus voraus (Vers. e. n. Gottesbegr. S. 165) Nach SIMMEL ist die Einheit der Seele »offenbar nur der Name für das empirisch normale Zusammenbestehen ihrer Inhalte« (Einl. in d. Moralwiss. II, 370). Nach CLIFFOBD ist die »Einheit der Apperzeption« »nicht in dem augenblicklichen, einigenden Bewußtsein vorhanden, sondern in seiner nachträglichen Reflexion auf dasselbe«; dieses besteht in der Fähigkeit, »einen gewissen Zusammenhang zwischen den Erinnerungen zweier Empfindungen herzustellen, die wir in demselben Augenblick gehabt haben« (Von d. Nat. d. Dinge au sich S. 38 f.). E. MACH meint: »daß die verschiedenen Organe, Teile des Nervensystems, miteinander physisch zusammenhängen und durcheinander leicht erregt werden können, ist wahrscheinlich die Grundlage der, psychische' Einheit« (Anal. d. Empfind.4, S. 21, 22f.). Nach der Assoziationspsychologie (s. d.) ist die Bewußtseinseinheit das Product der Verbindung und Wechselwirkung der Bewußtseinsinhalte, bezw. der Oganismus-Teile und -Funktionen. Bezüglich der kosmologisch-göttlichen Einheit, des Einheitsprinzips der Dinge ist die pantheistische (s. d.), theistische (s. d.), atheistische (s. d.) Auffassung zu unterscheiden.

Als eine Einheit betrachtet das All PARMENIDES (hen kai pan, s. Pantheismus). PYTHAGORAS sieht in der Einheit (monas) das Prinzip der Dinge und deren Wesenheiten (der »Zahlen«, s. d.): archên men hapantôn monada (Diog. L. VIII, 25; Stob. Ecl. I, 2, 58; vgl. I, 308). PLATO nennt die »Ideen« (s. d.) Einheiten (monades, henades); die höchste Einheit ist die Idee des Guten (s. d.). MODERATUS erblickt in der Eins die Ursache der Harmonie der Dinge (Porphyr., Vit. Pythag. 48 ff.; Stob. Ecl. I 1, 18; vgl. 306). PLOTIN bezeichnet die überseiende, übergeistige (epekeina nou), übervernünftige göttliche Wesenheit, aus der alles emaniert, als das Eine (hen). Es ist nicht das All selbst, sondern pro pantôn (Ennead. III, 8, 8), aber es enthält alles (l.c. VI, 7, 32). Von ihm geht alles aus, und es ist das Ziel aller Dinge (l.c. VI, 2, 11, vgl. VI, 2, 21 f.; s. Gott). JAMBLICH nimmt eine erste und zweite überseiende Einheit an (Stob. Ecl. I, 184; vgl. ZELLER III 23, 688, 793 ff.).

NICOLAUS CUSANUS nennt Gott (s. d.) die »unitas absoluta« (Doct. ignor. II, 4); 60 auch G. BRUNO. Nach ihm und nach SPINOZA ist das All eine Einheit göttlicher Art. SCHELLING erklärt: »Alles ist absolut eines, und alle Totalität quillt unmittelbar aus der absoluten Identität hervor« (Naturphilos. S. 276). Nach SCHOPENHAUER liegt allem Sein ein einheitlicher Wille (s. d.) zugrunde. Nach R. HAMERLING ist die ewige Einheit eins und vieles zugleich (Atom. d. Will. I, 145). Vgl. Gott, Henaden, Individuum, Monaden, Substanz, Identität, Ich, Selbstbewußtsein.


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