Philosophie - Fichte, Schelling

J. G. FICHTE faßt die Philosophie als Wissenschaftslehre (s. d.) auf. »Das ist die Absicht aller Philosophie, dasjenige im Gange unserer Vernunft, was auf dem Gesichtspunkte des gemeinen Bewußtseins uns unbekannt bleibt, zu entdecken« (Syst. d. Sittenlehre S. 7 f.). »Was für eine Philosophie man wähle, hängt... davon ob, was man für ein Mensch ist« (WW. I 1, 434). Nach SCHELLING ist Philosophie »freie Nachahmung, freie Wiederholung der ursprünglichen Reihe von Handlungen, in welchen der eine Akt des Selbstbewußtseins sich evolviert« (Syst. d. tr. Ideal. S. 96). Sie ist »eine absolute Wissenschaft«, sie hat das Wissen selbst zum Objekt, kann nicht selbst ein untergeordnetes Wissen sein (Naturphilos. I, 67). Sie ist »Wissenschaft des Absoluten« (l. c. S. 78), auch »die Wissenschaft der Ideen oder der ewigen Urbilder der Dinge« (Vorles. üb. d. Method. d. akad. Stud.3, 4, S. 98). Alle Wissenschaften sind Teile der einen Philosophie, d.h. »des Strebens, an dem Urwissen teilzunehmen« (l. c. 1, S. 17). »Der Standpunkt der Philosophie ist der Standpunkt der Vernunft, ihre Erkenntnis ist eine Erkenntnis der Dinge, wie sie an sich, d.h. wie sie in der Vernunft sind. Es ist die Natur der Philosophie, alles Nacheinander und Außereinander, allen Unterschied der Zeit und überhaupt jeden, welchen die bloße Einbildungskraft in das Denken einmischt, völlig aufzuheben« (WW. I 4, 115. so schon SPINOZA, S. Erkenntnis, Phantasie). ESCHENMAYER erklärt: »Jede Philosophie hat es mit der inneren Konstruktion unseres geistigen Organismus, und zwar entweder mit der Architektonik oder mit der Füllung desselben zu tun. Überall aber sucht sie die Quellen und Gesetze des Erkennens, Fühlens und Handelns auf und erhebt sich dadurch über den Inhalt, womit sich die übrigen besonderen Wissenschaften beschäftigen« (Psychol. S. 1). Nach STEFFENS ist die Philosophie »die Wissenschaft der Ideen« (Grdz. d. philos. Naturwissensch. S. 15). Nach NOVALIS ist sie »die Kunst, ein Weltsystem aus den Tiefen unseres Geistes heraus zu denken«. Nach TROXLER ist sie »Anthroposophie« (Üb. Philos. 1830). M. G. KLEIN bemerkt: »Alles Philosophieren beginnt mit der Ahndung des Unendlichen und Übersinnlichen« (Beitr. zum Stud. d. Philos. S. 50 f.). Objekt aller wahren Philosophie ist es, »den Gegensatz des Unendlichen und Endlichen zur harmonischen Einheit fürs Wissen zu bringen« (l. c. S. 73. vgl. S. 98 ff.). - HEGEL definiert die Philosophie (formal) als »denkende Betrachtung der Gegenstände« (Encykl. § 2), material als »Wissenschaft des Absoluten« (l. c. § 14), als »die sich denkende Idee, die wissende Wahrheit« (l. c. 574). Ihre Aufgabe ist, »das, was ist, zu begreifen«, sie ist »ihre Zeit in Gedanken erfaßt« (Rechtsphilos. S. 19. vgl. Ästhet. I, 17). »Die Philosophie ist zeitloses Begreifen, auch der Zeit und aller Dinge überhaupt, nach ihrer ewigen Bestimmung« (Naturphilos. S 26). sie »beabsichtigt zu erkennen, was unveränderlich, ewig, an und für sich ist« (Philos. d. Gesch. I, 19), ihr letztes Ziel ist, »den Gedanken, den Begriff mit der Wirklichkeit zu versöhnen« (l. c. III, 684). Sie hat Gott zum letzten Gegenstande, ist nicht Weltweisheit, sondern »Erkenntnis dessen, was ewig ist, was Gott ist und was aus seiner Natur fließt« (WW. XI, 15 f.). »Die Philosophie betrachtet zuerst das Logische, reines Denken, das sich sodann entschließt, als Natur äußerlich zu sein. das Dritte ist der Geist« (l. c. S. 48). »Philosophie ist dies, was in Form der Vorstellung ist, in die Form des Begriffes zu verwandeln« (l. c. S. 80). In der Philosophie kommt das Absolute zum Wissen um sich selbst als Geist (vgl. die Schriften von K. ROSENKRANZ, MICHELET u. a. Hegelianern, s. d.). Nach G. W. GERLACH ist die Philosophie eine »Wissenschaft, welche die Entwicklung und Darstellung der Grundbegriffe der rein vernünftigen Welt- und Lebensansicht zur Aufgabe hat« (Hauptmom. d. Philos. S. 26). »Der höchste Zweck des philosophischen Strebens besteht... in der Aufstellung einer universellen Weltansicht« (l. c. S. 43 f.). Nach HILLEBRAND ist die Philosophie »die Wissenschaft des Allgemeinen, nicht des abstrakt-leeren, sondern des sich selbst erfüllenden Allgemeinen« (Philos. d. Geist. I, S. IV). C. H. WEISSE erklärt: »Die Philosophie ist ebensosehr die Kunst, Probleme zu stellen, die als Probleme nicht in das außerphilosophische Bewußtsein fallen, wie sie die Wissenschaft ist, die Probleme dieses Bewußtseins zu lösen« (Met. C. 2, S. 20). Nach E. REINHOLD ist die Philosophie »die wissenschaftliche Entwicklung des organisch verbundenen Ganzen der wesentlichen, zufolge des Wesens der Menschheit streng notwendigen und allgemeinen Erkenntnisbegriffe der menschlichen Intelligent« (Lehrb. d. philos. propäd. Psychol.2, S. 7 f.). Nach SCHLEIERMACHER ist die Philosophie Dialektik (s. d.), das »höchste Denken mit dem höchsten Bewußtseins« (Dial. S. 3). Nach BRANISS ist sie »die wissenschaftliche Darstellung des vernünftigen Denkens« (Syst. d. Met. S. 127), auch die »Wissenschaft der Idee« (ib.). sie zerfällt in Ideal- und Realphilosophie (ib.). Nach CHALYBAEUS ist die Philosophie »die Wissenschaft, durch denkende Erkenntnis die Wahrheit hervorzubringen« (Wissenschaftslehre S. 27. vgl. Fundamentalphilos. 1861). Nach BACHMANN ist Objekt der. Philosophie »das Wesen, das Wirkliche in uns und außer uns in seiner lebendigen Entwicklung und. da. ewige Grund beider« (Syst. d. Log. S. 352). Im Sinne CHR. KRAUSES (Vorles. üb. d. Syst.) lehrt AHRENS, die Philosophie sei »eine durch Vernunftforschung in dem höchsten Prinzip gewonnene Gesamtanschauung alles Seins und Lebens« (Naturrecht I, 7) V. COUSIN bemerkt: »La philosophie n'est pas autre chose que la réflexion en grand, la réflexion avec le cortège des procédés, qui lui sont propres, la réflexion élevée au rang et à l'autorité d'une méthode« (Cours, leç. 1, p. 20). »Les idées - voilà les seuls objets propres de la philosophie« (l. c. p. 22). »La philosophie est le culte des idées« (ib.). Der Eklekticismus ist die wahre historische Methode (Du vrai... p. 14). Nach GALUPPI ist die Philosophie »la scienza del pensiero umano« (Elem. di filos. III, p. 5). Sie ist nach ROSMINI die Wissenschaft von den letzten und obersten Gründen (Sist. filos. § 1). Sie besteht aus der generellen und speziellen Philosophie (l. c. § 3 ff.). GIOBERTI betrachtet als Grundidee der Philosophie die Idee Gottes als Anfang und Ende der Dinge (Introd. I, 5). »La filosofia è la scienza dell'atto creativa in se stesso e in relazione co' suoi effetti« (Protolog. I, 191). Die »protologia« ist die »philosophia prima«, »la scienza dell' atto creativo o sia della formula ideale che lo esprime compitamente« (l. c. p. 192). Nach MAMMIANI ist die Philosophie wesentlich Ontologie (s. d.), Wissenschaft vom Seienden.


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