Philosophie - Schopenhauer

In die »Bearbeitung der Begriffe« (Befreiung von ihren »Widersprüchen« und Ergänzung) setzt die Aufgabe der Philosophie HERBART (Lehrb. zur Einl. § 4, s. Metaphysik, Widerspruch). Sie zerfällt in Logik, Metaphysik, Ästhetik. - Nach FERRIER hat die Philosophie die Aufgabe, die Irrtümer des gemeinen Denkens zu berichtigen (Institut. of Met.2, 1856). Nach L. KNAPP hat die Philosophie zur Aufgabe »die Erklärung der Einbildung« (Syst. d. Rechtsphilos. S. 2), die »Darlegung der Einheit von Naturgesetz und Denkprozess« (l. c. S. 30), »Erhellung des prinzipiellen Irrtums« (l. c. S. 35). - Nach SCHOPENHAUER ist die Philosophie »Wissenschaft in [nicht aus] Begriffen« (W. a. W. u. V. I. Bd., S. 451). Die allgemeine Erfahrung ist ihr Gegenstand (Parerga II, § 21), sie muß auf Beobachtung und Erfahrung (innere besonders) gegründet sein (l. c. § 9). Ihre Aufgabe ist, »das ganze Wesen der Welt abstrakt, allgemein und deutlich in Begriffen zu wiederholen und es so als reflektiertes Abbild in bleibenden und stets bereit liegenden Begriffen der Vernunft niederzulegen« (W. a. W. u. V. I. Bd., § 68). Sie gliedert sich in Dianoiologie (s. d.), Logik, Metaphysik (ib.). Gegenstand der Philosophie ist die Idee (s. d.) (Neue Paralipom. § 9). »Denn die Idee, die sich in der Vielheit des Wirklichen zersplittert, wird im Begriff wieder gesammelt« (l. c. § 15). »Nur in Begriffen (d.h. durch die Vernunft) läßt sich das Ganze übersehen, und das Wesen der Welt (welche die Objektivität des Willens ist) in Begriffen auszudrücken und so die Anschauung in einem andern Stoff (den Begriffen) zu wiederholen, ist diejenige Kunst, welche Philosophie heißt« (l. c. § 21), Kunst und nicht eigentlich Wissenschaft (ib.). Sie ist, »ein Mittleres von Kunst und Wissenschaft, oder vielmehr etwas, das beide vereinigt« (l. c. § 28. vgl. HÖFFDING, Die Philos. als Kunst, u. Philos. Probl. S. 1, 70). - Nach K. FISCHER ist die Philosophie »die Selbsterkenntnis des menschlichen Geistes« (Gesch. d. neuern Philos. I3, 11). RENAN erklärt: »L'étude de la nature et de l'humanité est... toute la philosophie« (Fragm. philos. p. 292). Die Philosophie ist keine besondere Wissenschaft, sondern das allgemeine Resultat aller Wissenschaften. - Nach R. ZIMMERMANN ist sie Wissenschaft von den »Musterbegriffen« (Anthroposoph. S. 2). Nach J. BAUMANN heißt philosophieren »sich durch Nachdenken in der Welt orientieren« (Philos. als Orient. Anf.). - Nach L. SCHMID hat die Philosophie ihr Wesen in der Selbstverwirklichung des Menschen zu reiner Menschlichkeit (Grdz. d. Einleit. in d. Philos. 1860). - Nach JOUFFROY ist die Philosophie »la science de ce qui n'a pas encore pu devenir l'objet d'une science, la science de l'obscur, de l'indéterminé, de l'inconnu«. nach CLAUDE BERNARD stellt sie dar »l'aspiration éternelle de la raison humaine vers la connaissance de l'inconnu« (Introd. à In med. expérim.).


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