Identitätsphilosophie - Schelling, Hegel


Ein System der Identitätslehre begründet SCHELLING, ausgehend von der Überzeugung, »daß, was in uns erkennt, dasselbe ist mit dem, was erkannt wird« (WW. I 10, 121). »Was außer dem Bewußtsein gesetzt ist, ist dem Wesen nach ebendasselbe, was auch im Bewußtsein gesetzt ist. Die ganze Natur bildet daher eine zusammenhängende Linie, welche nach der einen Seite in entschiedener Übermacht des subjektiven über das Objektive ausläuft...« (l.c. S. 229). Das Absolute (s. Gott) ist die »Indifferenz« (Gleichmöglichkeit) von Subjekt und Objekt, die »lebendige, ewig bewegliche, in nichts aufzuhebende Identität des subjektiven und Objektiven« (l.c. S. 145). Objekt - Subjekt, Natur - Geist sind die »Pole«, in die das Eine, Absolute, Identische (in verschiedenen »Potenzen«, s. d.) sich entfaltet. Die Natur (s. d.) ist der »sichtbare Geist«, der Geist die »unsichtbare Natur« (Naturphilos. S. 64). »Der erste Schritt zur Philosophie und die Bedingung, ohne welche man auch nicht einmal in sie hineinkommen kann, ist die Einsicht: daß das absolut Ideale auch das absolut Reale sei« (l.c. S. 67). Das Absolute ist »reine Identität«, »das gleiche Wesen des subjektiven und Objektiven« (l.c. S. 72). Es hat »zwei Seiten«, eine ideale und eine reale (l.c. S. 78). Der Name »Identitätsphilosophie« soll ausdrücken, »daß in jenem Ganzen Subjekt und Objekt mit gleicher Selbständigkeit einander gegenüberstehen, das eine nur das ins Objekt hinübergetretene..., das andere nur das als solches gesetzte Subjekt sei« (WW. II 1, 3,1 f.). ESCHENMAYER erklärt: »Die Wahrheit bildet im Idealen unsere ganze Erkenntnisreihe, im Realen die ganze physische Welt, und diese beiden harmonieren so miteinander, daß das, was im Idealen als Proportion, Gesetz und Prinzip ganz geistiger Art ist, im Realen in den Erscheinungen sich abspiegelt« (Psychol. S. 496). Nach CARUS sind Geistiges und Körperliches nur verschiedene Daseinsarten eines und desselben Wesens (Psychol. I, 12). HEINROTH: »Der äußere Mensch und der innere sind beide dasselbe, nur nach zwei Seiten gewendet« (Psychol. S. 193). HILLEBRAND spricht von der Identität des reinen Denkens und des Realen (Philos. d. Geist. I, 4). »Was notwendig im Gedanken ist, muß es auch in der Wirklichkeit sein« (ib.). HEGEL bestimmt das Sein selbst als Denken, das (absolute) Denken (der Begriff, s. d.) ist Sein. Seele und Leib sind »eine und dieselbe Totalität derselben Bestimmungen«, die Seele erscheint im Leibe, dieser ist die Äußerlichkeit jener (Ästh I, 154 ff.). Nach SCHLEIERMACHER ist »das Sein auf ideale Weise ebenso gesetzt wie das Reale« (Dialekt. S. 75). Die Form des Denkens und Seins ist dieselbe. H. RITTER erklärt: »Wir haben von jedem erscheinenden Dinge zu setzen, daß es sich in reflexiven Tätigkeiten als Geist, jedem andern Dinge in äußeren Zuständen als Körper erscheint« (Syst. d. Log. I, S. 305). BENEKE erblickt im Physischen die Erscheinung des Psychischen (s. d.). Nach TRENDELENBURG ist die »Bewegung« (s. d.) das Identische im Sein und Denken (Log. Unters. 12, 144). SCHOPENHAUER betont: »Der Grundfehler aller Systeme ist das Verkennen dieser Wahrheit, daß der Intellekt und die Materie Korrelata sind, d.h. eines für das andere da ist, beide miteinander stehen und fallen, ja, daß sie eigentlich eines und dasselbe sind, von zwei entgegengesetzten Seiten betrachtet« (W. a. W. u. V. Il. Bd., C. 1). Der Leib ist die »Objektität«, die Sichtbarwerdung der Psyche, des Willens (s. d.). Willensakt und physische Handlung sind »sind eins und dasselbe, auf doppelte Weise wahrgenommen: was nämlich der innern Wahrnehmung (dem Selbstbewußtsein) sich als wirklicher Willensakt kundgibt, dasselbe stellt sich in der äußeren Anschauung, in welcher der Leib objektiv dasteht, sofort als Aktion desselben dar« (l.c. C. 4). Ebendasselbe, was als Materie, Kraft, Bewegung erscheint, ist an sich Wille. Die Identität von Geist und Natur betont CARNERI (Sittl. u. Darwin. S. 10). J. H. FICHTE meint, »daß dasjenige, was wir ›Leib‹ und ›Seele‹ nennen, an sich selbst nur die Form einer doppelten Erscheinungsweise eines und desselben Grundwesens sei: ›Leib‹, wie es als Unbewußtes, zugleich aber auch als Sinnenfälliges, ›Seele‹, wie es als Bewußtsein Erzeugendes sich kundgibt« (Psychol. II, 196). E. V. HARTMANN erblickt im »Unbewußten« (s. d.) das Identische von Natur und Geist.


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