Disputation

 

 

Nach dem Juden sprach aufs neue

Der katholische Bekehrer;

Wieder schimpft er, jedes Wort

Ist ein Nachttopf, und kein leerer.

 

Darauf repliziert der Rabbi

Mit zurückgehaltnem Eifer;

Wie sein Herz auch überkocht,

Doch verschluckt er seinen Geifer.

 

Er beruft sich auf die Mischna,

Kommentare und Traktate;

Bringt auch aus dem Tausves-Jontof

Viel beweisende Zitate.

 

Aber welche Blasphemie

Mußt er von dem Mönche hören!

Dieser sprach: der Tausves-Jontof

Möge sich zum Teufel scheren.

 

»Da hört alles auf, o Gott!«

Kreischt der Rabbi jetzt entsetzlich;

Und es reißt ihm die Geduld,

Rappelköpfig wird er plötzlich.

 

»Gilt nichts mehr der Tausves-Jontof,

Was soll gelten? Zeter! Zeter!

Räche, Herr, die Missetat,

Strafe, Herr, den Übeltäter!

 

Denn der Tausves-Jontof, Gott,

Das bist du! Und an dem frechen

Tausves-Jontof- Leugner mußt du

Deines Namens Ehre rächen.

 

Laß den Abgrund ihn verschlingen,

Wie des Korah böse Rotte,

Die sich wider dich empört

Durch Emeute und Komplotte.

 

Donnre deinen besten Donner!

Strafe, o mein Gott, den Frevel -

Hattest du doch zu Sodoma

Und Gomorrha Pech und Schwefel!

 

Treffe, Herr, die Kapuziner,

Wie du Pharaon getroffen,

Der uns nachgesetzt, als wir

Wohlbepackt davongeloffen.

 

Hunderttausend Ritter folgten

Diesem König von Mizrayim,

Stahlbepanzert, blanke Schwerter

In den schrecklichen Jadayim.

 

Gott! da hast du ausgestreckt

Deine Jad, und samt dem Heere

Ward ertränkt, wie junge Katzen,

Pharao im Roten Meere.

 

Treffe, Herr, die Kapuziner,

Zeige den infamen Schuften,

Daß die Blitze deines Zorns

Nicht verrauchten und verpufften.

 

Deines Sieges Ruhm und Preis

Will ich singen dann und sagen,

Und dabei, wie Mirjam tat,

Tanzen und die Pauke schlagen.«

 

In die Rede grimmig fiel

Jetzt der Mönch dem Zornentflammten:

»Mag dich selbst der Herr verderben,

Dich Verfluchten und Verdammten!

 

Trotzen kann ich deinen Teufeln,

Deinem schmutz'gen Fliegengotte,

Luzifer und Beelzebube,

Belial und Astarothe.

 

Trotzen kann ich deinen Geistern,

Deinen dunkeln Höllenpossen,

Denn in mir ist Jesus Christus,

Habe seinen Leib genossen.

 

Christus ist mein Leibgericht,

Schmeckt viel besser als Leviathan

Mit der weißen Knoblauchsauce,

Die vielleicht gekocht der Satan.

 

Ach! anstatt zu disputieren,

Lieber möcht ich schmoren, braten

Auf dem wärmsten Scheiterhaufen

Dich und deine Kameraden.«

 

Also tost in Schimpf und Ernst

Das Turnei für Gott und Glauben,

Doch die Kämpen ganz vergeblich

Kreischen, schelten, wüten, schnauben.

 

Schon zwölf Stunden währt der Kampf,

Dem kein End' ist abzuschauen;

Müde wird das Publikum,

Und es schwitzen stark die Frauen.

 

Auch der Hof wird ungeduldig,

Manche Zofe gähnt ein wenig.

Zu der schönen Königin

Wendet fragend sich der König:

 

»Sagt mir, was ist Eure Meinung?

Wer hat recht von diesen beiden?

Wollt Ihr für den Rabbi Euch

Oder für den Mönch entscheiden?«

 

Doña Blanka schaut ihn an,

Und wie sinnend ihre Hände

Mit verschränkten Fingern drückt sie

An die Stirn und spricht am Ende:

 

»Welcher recht hat, weiß ich nicht -

Doch es will mich schier bedünken,

Daß der Rabbi und der Mönch,

Daß sie alle beide stinken.«

 

 


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