Zum ersten Mal ...


Eines Tags in Chemie schloß ich eine Wette

und ich raucht fröhlich die erste Cigarette.

Ach! Da wurde mir so weh und krank,

und da verschwand ich plötzlich stundenlang;

mir schien, ich platzt vor Nikotin,

ich hört im Bauch die Dämpfe ziehn!

Zum ersten Mal, zum ersten Mal,

da langts nicht her noch hin!

Mir war so schwül im Sinn!

Weil ich noch ein Anfänger bin!

 

Eines Nachts kam ich leis an die Mädchenstube,

und ich guckt, denn ich weiß: Anna ist kein Bube.

Ach! Das hab ich gar zu gern gemocht,

und da da hab ich an die Tür gepocht.

Die Maus, sie sagt: »Da wird was draus!«

Doch gleich warf sie mich wieder raus!

Zum ersten Mal, zum ersten Mal,

da langts nicht her noch hin!

Mir war so schwül im Sinn!

Weil ich noch ein Anfänger bin!

 

Neulich macht meine Lo eine kleine Reise,

und ich rutscht ebenso auf ein Nebengleise!

Ach! Da packte mich die große Scham,

weil ich vom Regen in die Traufe kam.

Und doch, die Liebe kriegt ein Loch,

an diesem Mädchen krank ich noch!

Zum ersten Mal, zum ersten Mal,

da langts nicht her noch hin!

Mir war so schwül im Sinn!

Weil ich noch ein Anfänger bin!

 

 

Theobald Tiger

Schall und Rauch, 1920.





 © textlog.de 2004-2019 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright