Ludendorff oder der Verfolgungswahn


Hast du Angst, Erich? Bist du bange, Erich?

Klopft dein Herz, Erich? Läufst du weg?

Wolln die Maurer, Erich – und die Jesuiten, Erich,

dich erdolchen, Erich – welch ein Schreck!

Diese Juden werden immer rüder.

Alles Unheil ist das Werk der .·..·. Brüder.

 

Denn die Jesuiten, Erich – und die Maurer, Erich –

und die Radfahrer – die sind schuld

an der Marne, Erich – und am Dolchstoß, Erich –

ohne die gäbs keinen Welttumult.

Jeden Freitag abend spielt ein Kapuziner

mit dem Papste Skat – dazu ein Feldrabbiner;

auf dem Tische liegt ein Grand mit Vieren –

dabei tun sie gegen Deutschland konspirieren ...

Hindenburg wird älter und auch müder ...

Alles Unheil ist das Werk der .·..·. Brüder.

 

Fährst du aus dem Schlaf? Die blaue Brille

liegt auf deinem Nachttisch wohl bereit?

Hörst du Stimmen?

Das ist Gottes Wille,

Ludendorff, und weißt du, wer da schreit –?

Hunderttausende, die jung und edel

sterben mußten, weil dein dicker Schädel

sie von Grabenstück zu Grabenstück gehetzt

bis zuletzt.

Ackerkrume sind, die Deutschlands Kraft gewesen.

Pack die Koffer! Geh zu den Chinesen!

Führ auch die bei ihren Kriegen!

Ohne Juden wirst du gleichfalls unterliegen.

Geh nach China! Und komm nie mehr wieder –!

Alles Unheil ist das Werk der Heeresbrüder.

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 06.11.1928, Nr. 45, S. 700.





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