An unsre Kleine


Da liegst du, Mädchen, in den Kissen,

du junge deutsche Republik.

Ein Jahr erst alt. Du kannst nichts wissen

von jenem grauenvollen Krieg,

 

der dich gebar. Du bist noch niedlich.

Doch eines Tages bist du groß.

Dann arbeit du und lebe friedlich

und mach dich von den Ammen los.

 

Es säugte diese dich und jene.

Die Milch war sauer. Die gesund.

Und bald kriegst du die ersten Zähne

und steckst den Beißring in den Mund.

 

Bald bist du groß. In späten Tagen

steh du einst stark und glücklich da!

Dann sollen alle Leute sagen:

Famoses Kind –!

Und gar nicht der Papa!

 

 

Theobald Tiger

Ulk, 07.11.1919, Nr. 45.





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