Raschle, raschle, seidner Kimono


Glänzt der Fudschijama nachts in Weiß,

bete ich zu Brahma heimlich leis.

Mond scheint auf die Dächer

still in Ruh,

unser bunter Fächer winkt ihm zu.

Raschle, raschle, seidner Kimono,

deine kleine Geisha sehnt sich so,

sie sitzt im Teehaus

und steckt den kleinen Zeh raus.

Singe, singe, kleiner Kolibri,

ferner Liebster, warum kommst du nie?

Kleine Geisha sehnt sich so,

und sie wäre wieder froh,

bist du bei ihr unterm Kimono!

Kleine Geisha sehnt sich so,

und sie wäre wieder froh,

bist du bei ihr unterm Kimono!

 

Horch, wie durch die Bäume Windhauch lief,

Liebster, und ich träume opiumtief.

Yoshiwaras Gassen warten dein,

wollen dich nicht lassen, komm, sei mein!

Raschle, raschle, seidner Kimono,

deine kleine Geisha sehnt sich so,

in Nagasaki nach ihren Kerls in Khaki.

Singe, singe, kleiner Kolibri,

ferner Liebster, warum kommst du nie?

Kleine Geisha sehnt sich so,

und sie wäre wieder froh,

bist du bei ihr unterm Kimono!

Kleine Geisha sehnt sich so,

und sie wäre wieder froh,

bist du bei ihr unterm Kimono!

 

 

Theobald Tiger

Drei-Masken-Verlag, Berlin 1921, S. 3.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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