Revue


Die Weiblichkeit laß ich vorüberrauschen,

Hilfsdienstmutwillige, Mädchen aus dem Land –

dem Schlagen eines Herzens will ich lauschen –

gib mir die Hand!

 

Ja, aber wer? In diesen Menschenwogen

schwimmt Tinchen, klein und blond, hin und zurück;

zwei linke Beine, zart und sanft gebogen –

ist das das Glück?

 

Wie ists mit der? Gott Eros schwingt die Fackel,

die Stangen des Korsettes krachen leis,

die kurzen Finger ziehn an einem Dackel –

ein Traum in Weiß,

 

Und du? in schwärzlich finstrer Reife,

die Schatten dunkler Stunden im Gesicht?

Es gibt noch Menschen, die besitzen Seife –

du hamsterst nicht.

 

Ich denk an die gnädige Frau.

In Terzen

pfeif ich vergnügt: Mimi! von diesen Kindern keins.

Mein Wappenspruch, du Wort nach meinem Herzen:

Jeder seins!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 25.07.1918, Nr. 30, S. 85,

wieder in: Fromme Gesänge.





 © textlog.de 2004-2021 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright