Kleines Operettenlied


Mit ihm schlafen ja, aber

keine Intimitäten


Sei nicht böse, wenn ich dich, du liebe Inge,

hier leis besinge –

hör mich mal an:

In dem weiten Reich der schwärmerischen Dinge

knüpft eine Schlinge

dir jeder Mann.

 

Doch die Nacht ist keineswegs des Werkes Krönung.

Sieh, erst nachher da beginnt das wahre Spiel;

denn das Schlimmste an der Liebe ist Gewöhnung ...

ein Mal ist kein Mal, aber acht Mal sind sehr viel.

Laß die Liebe aus dem Spiel, wenn du liebst.

Weil du dir dabei zu viel

vergibst.

Höre nicht auf Schmeichelein!

Mußt du stets die Dumme sein?

Wenn du ehrlich bist, dann fällst du rein!

Das Geschäft ist faul: er nimmt, und du gibst ...

Laß die Liebe aus dem Spiel, wenn du liebst!

Steht nach Küssen dir der Sinn,

na, dann geh nur ruhig hin –

Doch von Liebe, doch von Liebe steht nichts drin!

 

Und ich weiß, wie das mal wird, du liebe Inge,

wenn ich einst hinge

an deiner Brust:

Um die Augen hast du dunkelblaue Ringe,

doch ach! ich bringe dich nicht zur Lust.

 

Warum kommts, dass wir uns so verlieren müssen?

Wer mehr liebt, der leidet noch und noch.

Und du siehst an mir vorbei, wenn wir uns küssen,

und du hast Furcht. Und liebst ja doch ...

Laß die Liebe aus dem Spiel, wenn du liebst.

Weil du dir dabei zu viel

vergibst.

Erst schenkst du dein schönes Bein,

und du sagst: »Mehr solls nicht sein!«

Und das Herz, das folgt dann hinterdrein ...

Und ich rate dir vergebens, wenn du gibst:

Laß die Liebe aus dem Spiel, wenn du liebst!

Frau und Mann sind niemals frei.

Stets ist ein Gefühl dabei.

Und die Dummen sind gewöhnlich alle zwei!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 17.06.1930, Nr. 25, S. 928.





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