Kriegshetzer


Es ist verständlich, dass jemand, der seine Rolle zu Hause ausgespielt hat, ungeduldig von einem Bein auf das andere trippelt, um herauszukommen.

Die Zahl der politisierenden inaktiven Offiziere wächst von Tag zu Tag. Aufsätze, Broschüren, Reden, Vereine –: das Resultat ist stets dasselbe: der Krieg! Der unvermeidliche, frische, fröhliche Krieg! Mit wem – das wird dem Ermessen der vorgesetzten Behörde überlassen.

Mit welch unerhörter Frivolität gehetzt wird, zeigt das »Berliner Tageblatt« im Auszug eines demnächst bei Cotta – (Goethe ... , Schiller ... !) – erscheinenden Heftchens. Herr v. Bernhardi, ein General z. D., benutzt seine Mußestunden, um sich auf diese Weise seinen Vorgesetzten wieder ein bißchen in Erinnerung zu bringen. (Für bestellte Arbeit taugt das Ding zu wenig.) »Unverhüllte Drohung ... , wirkliche Macht ... , fester Wille ... « – und so.

Es ist schließlich verzeihlich, erklärlich: man sitzt herum, hat nichts zu tun, immer mehr Leute beginnen einzusehen, dass das Heer zum wenigsten für den äußeren Feind geschaffen ist, dass die Zeit kommt, wo man es vielleicht entbehren kann ... ! Schreiben kann man, abschreiben auch – na also.

Aber das Gefährliche ist, dass die Herren, die übrigens wegen ihrer Klapprigkeit nicht mitschießen, wirken, dass man ihnen glaubt, dass nicht nur konservative Parteipolitiker aus naheliegenden Gründen hetzen, sondern dass »Tag« aus, »Tag« ein dieses parteilose Papier Hetzartikel bringt, dass an der Börse mit der Möglichkeit eines Krieges stark gerechnet wird – das ist es! –

Vielleicht kann man den alten ehrlichen Soldaten mit wirklicher Macht und festem Willen auch Maul und Feder pensionieren.

 

K.T.

Vorwärts, 09.03.1912, Nr. 58, S. 1.





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