Heute zwischen Gestern und Morgen


Wie Gestern und Morgen

sich mächtig vermischen!

Hier ein Stuhl – da ein Stuhl –

und wir immer dazwischen!

Liebliche Veilchen im März –

Nicht mehr.

Proletarier-Staat mit Herz –

Noch nicht.

Noch ist es nicht so weit.

Denn wir leben –

denn wir leben

in einer Übergangszeit –!

 

Geplappertes A – B – C

bei den alten Semestern.

Fraternité – Liberté –

ist das von gestern?

Festgefügtes Gebot?

Nicht mehr.

Flattert die Fahne rot?

Noch nicht.

Noch ist es nicht so weit.

Denn wir leben –

denn wir leben

in einer Übergangszeit –!

 

Antwort auf Fragen

wollen alle dir geben.

Du mußt es tragen: ungesichertes Leben.

Kreuz und rasselnder Ruhm –

Nicht mehr.

Befreiendes Menschentum –

Noch nicht.

Noch ist es nicht so weit.

Denn wir leben –

denn wir leben

in einer Übergangszeit –!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 31.05.1932, Nr. 22, S. 831.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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