Franz Hessel, ›Teigwaren, leicht gefärbt‹


Nach dem Steak benötigen wir etwas Leichtes. Greifen wir also zu ›Teigwaren, leicht gefärbt‹ von Franz Hessel (bei meinem Verleger Ernst Rowohlt, Berlin, erschienen). Bei meinem Verleger? Ha, Schmach! Schiebung! Verabredung! Korruption! Ossietzky! Sie haben neulich Bruno Frank zerrissen und mir das Herz: weil Sie der einzige waren auf weiter Flur, der dieser ›Politischen Novelle‹ das gesagt hat, was zu sagen war. Es ist unfaßbar, dass ein Mann, der so lange in Frankreich gelebt hat, der Frankreich so gut kennt wie Bruno Frank, etwas so ganz und gar Unfranzösisches hat produzieren können. Es wird sicherlich sehr höfliche Franzosen geben, die Frank bestätigen werden, wie schön und gut diese Novelle des Rapprochements sei, aber bestimmt keinen so unhöflichen Franzosen, der wie jener Sekretär des Herrn Briand (im Buch) mit dem Sekretär eines imaginären deutschen Staatsmannes eine solche Unterhaltung jemals hätte führen können, keinen Franzosen, der einem Deutschen ins Gesicht sagte, wie häßlich die deutsche Sprache sei ... Die gibt es so wenig wie es jemals eine französische Frau gegeben hat, die sich selber vorstellt; der Hackenknall: »Oberbausekretär Flotsch«, ist eine deutsche Erfindung. Und wie bombastisch ist das; wie geziert, wie ganz und gar verkannt; das ist jene hohe Politik, wie sie sich in neuem berliner und auch pariser Salons darstellt, wo die Bekanntschaft mit einem richtigen Diplomaten das persönliche Prestige erhöht ... Ja, wenn Politik so dumm und so einfach wäre –! Zurück zu Hesseln.

Ganz abgesehen davon, dass ich neidisch auf den Titel bin: es stehen so bezaubernd leichte Dingelchen in dem Buch, so hingehaucht, wirkliche ›soufflés‹ – zum Beispiel die von dem Lokomotivführer, der nicht mehr pfeifen durfte, sowie das gradezu himmlisch echte Gespräch im Modesalon – es ist fast unfaßbar, wie ein Mann so etwas schreiben kann. In den Zeitungen haben sie jetzt in Firma Niveaulos & Kultur schreibende Damen angestellt, die in der Tat so dumm daherplappern können wie Papageien, die lange bei einem Dichter gestanden haben ... Man decke diese Vögel zu; es sind auch mondäne Kakadus aus Kunstseide darunter: die rupfe man. Das Hübscheste über Frauen sagen nicht Frauen – Männer sagen es. Die stärksten Stücke des Hesselschen Buches reichen an Robert Walser heran, und es ist eine Freude, immer wieder darin zu blättern.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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