Die Drei


Den Gutsherrn mit den fetten Backen,

den Ringen und dem Speck im Nacken,

mit Haus und Hof und mit Gesinde,

mit junger Frau und gutgenährtem Kinde;

den Gutsherrn mit dem Schloß in Fliederranken,

mit der Pension und seinem Konto auf den Banken,

mit seinem Speck und seiner Wuchersaat:

den schützt der Staat.

 

Den Unternehmer, der die tiefen Schächte

ausraubt nach eignem, freiem Rechte,

der Herr ist über tausend Leben,

dem tausend Räder Ware weben;

den Unternehmer, dessen Schlote

auch qualmen bei dem Streitgebote –

als ob die Not der andern gleich wär:

den schützt die Reichswehr.

 

Doch den, der mit den harten Händen

von früh bis spät die Dividenden

erst schafft, die jener lächelnd handelt,

der Stein und Stoff in Gold verwandelt;

den Mann, des Sorge seinem Kind flucht,

des Frau verröchelt an der Schwindsucht,

der ohne Hoffnung auf ein Morgen

sich windet um die Alltagssorgen ...

grau wird der Kopf, die Löhne kleiner,

den Mann schützt keiner –!

 

 

Theobald Tiger

Volksstimme, 21.10.1926.





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