Dem Andenken Siegfried Jacobsohns


gestorben am 3. 12. 1926

Die Welt sieht anders aus. Noch glaub ichs nicht.

Es kann nicht sein.

Und eine leise, tiefe Stimme spricht:

»Wir sind allein.«

 

Tag ohne Kampf – das war kein guter Tag.

Du hasts gewagt.

Was jeder fühlt, was keiner sagen mag:

du hasts gesagt.

 

Ein jeder von uns war dein lieber Gast,

der Freude macht.

Wir trugen alles zu dir hin. Du hast

so gern gelacht.

 

Und nie pathetisch. Davon stand nichts drin

in all der Zeit.

Du warst Berliner, und du hattest wenig Sinn

für Feierlichkeit.

 

Wir gehen, weil wir müssen, deine Bahn.

Du ruhst im Schlaf.

Nun hast du mir den ersten Schmerz getan.

Der aber traf.

 

Du hast ermutigt. Still gepflegt. Gelacht.

Wenn ich was kann:

Es ist ja alles nur für dich gemacht.

So nimm es an.

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 14.12.1926, Nr. 50, S. 914,

wieder in: Mit 5 PS,

auch u.d.T. »Für Ihn«.





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