2) Zucker. Saccharum album

Der Zucker (Saccharum album). Der Gebrauch desselben zur Versüßung der Speisen und Getränke, besonders des Tees und Kaffees, ist fast allgemein. Für die sitzende Menschenklasse: für Schuster, Schneider, Gelehrte u. s. w. ist er sehr gut, besonders wenn er mit Wasser aufgelöst getrunken wird, ein Mittel, welches Hufeland in seiner "Makrobiotik" und S. G. v. Vogel (im Schwerinschen freimütigen Abendblatt) sehr empfohlen haben. Mancher schwache Magen verträgt aber keinen Zucker, weil letzterer, wie alle Süßigkeiten, leicht Durchfall erregt und so noch mehr schwächt. Gegen Heiserkeit und Brustzufälle ohne Fieber sind die süßen Dinge und also auch der Zucker, ein Hausmittel. Ein anhaltend starker Gebrauch des Zuckers und aller süßen Lecksäfte schadet aber bei solchen Beschwerden, indem der Magen zu sehr geschwächt wird, denn obgleich es ein Vorurteil ist, dass der Zucker die Verschleimung befördere, so ist es doch ausgemacht, dass er Menschen, die Neigung zur Verschleimung der Lungen und des Magens haben, nicht gut bekommt. Der aufgewundene Zucker (Saccharum penidii), in Anis- oder Fencheltee, zu zwei Teelöffel voll stündlich, purgiert leichter, schneller und angenehmer, als Mannalatwerge (s. Osiander l. c. p. 340); Zucker und Eiweiß, in Wasser gelöst und in Menge getrunken, ist das beste Gegenmittel bei Kupfervergiftung (s. oben Eiweiß). Der Zuckersirup (Sirupus sacchari) gehört auch hierher.

Tabernomontanus (l. c. Teil I. S. 602) sagt vom Zucker, dass er gallsüchtigen Personen schade und sich bei ihnen in Galle verwandle; auch jungen Kindern diene er nicht, weil er die Würmer begünstige (?). Dass er aber, wie Einige meinen, die Eingeweide verstopfe, bezweifelt T. mit Recht; weit eher löst er solche Verstopfungen auf. Ferner heißt es: "Zucker, zu Pulver gestoßen und mit frischer Butter gemischt verschlungen, heilet alle innerlichen Verletzungen, durch eingenommenen Alaun, Vitriol, spanische Mücken und dergleichen scharfe und ätzende Dinge verursacht." Orfila empfiehlt Zuckerwasser besonders als Hilfsmittel bei Vergiftungen durch Kupfersalze, Grünspan (s. Anhang I. A.). — Ein ausgehöhlter, mit gestoßenem Kandiszucker gefüllter und in ungesalzener Butter gebratener süßer Apfel, warm verzehrt, ist gegen Husten, zur Beförderung des Auswurfs eine herrliche Arznei und Speise für alte und junge Leute.

Über den äußerlichen Gebrauch des Zuckers bemerkt derselbe Autor: a) Kanarienzucker, zerstückt auf Glühkohlen geworfen und den Rauch davon in die Nase gezogen, stillet das Hauptweh und vertreibt den Schnupfen. b) Pulverisierten Kanarienzucker und Honig gemischt, gibt eine einfache Zahnlatwerge zur Reinigung der Zähne ab. c) Gegen Flecke der Hornhaut soll gestoßener Zucker ins Auge geblasen werden. Hier kennt der geschickte Augenarzt indessen bessere Mittel.

Der Geheime-Medizinalrat S. v. Vogel, welcher hier in Rostock vor wenigen Jahren im 88. Lebensjahre starb, aß täglich wohl ein Pfund Zucker, welchen er (s. dessen Neue Annalen des Seebades zu Doberau. 1807. Heft 4. S. 143) folgendermaßen lobt, indem er sagt:

"Dem Zucker möchte ich hier noch eine kurze Apologie halten; ich halte ihn für eins der schönsten Naturprodukte. Er befördert die Verdauung, erleichtert die Öffnung, ist nährend und stiftet sonst in dem ganzen Organismus viel Gutes. Was sehr wichtig ist, er zersetzt keine einzige Substanz, und wird von keiner zersetzt, außer von starken Säuren. Gibt es ein Mittel, ein langes Leben zu begünstigen, so ist es der Zucker. Nur einige Beispiele: Der Herzog von Beaufort verzehrte vierzig Jahre lang täglich ein Pfund Zucker und ward siebenzig Jahr alt. Man fand seine Eingeweide sehr gesund und die Zähne fest und gut. — Ein gewisser Melorg, der unter alle Speisen Zucker tat, erreichte ein Alter von hundert Jahren. — Der berühmte Georg Gottlob Richter in Göttingen verzehrte täglich vielen Zucker, heiratete noch in seinen späten Jahren eine viel jüngere rasche Frau und wurde sehr alt. — Die nährende Eigenschaft des Zuckers beweisen unter anderen die Sklaven, die bei den schwersten Arbeiten sich von den, nach der Zubereitung des Zuckers übrig bleibenden Unreinigkeiten nähren. — Ein mit Zucker beladenes Schiff litt Mangel an Lebensmitteln. Man aß Zucker und ernährte sich nicht allein dadurch, sondern er widerstand auch dem um sich greifenden Skorbut. — Vortreffliche Nebenwirkungen des Zuckers sind, dass er nach heftigen Gemütsbewegungen und bei Erhitzungen die beste und sicherste Kühlung gibt, dass er das Gerinnen der Milch verhütet, dass er der Brust wohltätig ist, dass er bei Überladungen und Kruditäten im Magen als ein gutes Digestiv wirkt, dass er Blähungen und daher entstehenden Beängstigungen abhilft, dass er besonders die guten Wirkungen des Kaffees u. s. w. befördert. Dass Zucker verschleime und die Zähne verderbe sind Vorurteile; er verhütet und hebt vielmehr Verschleimung und erhält die Zähne. Niemand verzehrt wohl mehr Zucker, als die Neger, und sie haben die schönsten Zähne. Dass er auch noch ein vortreffliches Mittel in mancher Wassersucht, in manchen Ruhren, im Scharbock, gegen die Würmer, für Kinder, äußerlich zur sanften Ätzung und Reinigung böser Geschwüre u. s. w. sei, gehört weniger hierher. Ob der Zucker bei großer Schwäche und Schlaffheit des Magens, bei besonderer Neigung zur Säure, missbraucht und schädlich werden könne, lasse ich dahingestellt sein."


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