Succinum. Bernstein

Succinum, Electrum, Ambra flava, Bernstein. Dieses fossile Harz, welches von der Ostsee bei Danzig und Königsberg, in kleinen Stücken auch an vielen anderen Stellen der Küste des baltischen Meeres, selbst in unserer Nähe, bei Doberan, bei Warnemünde etc. ausgeworfen wird, wendet man vorzüglich äußerlich zum Räuchern gegen gichtisch-rheumatische Übel, solche Kopf- und Zahnschmerzen, schmerzhafte Hämorrhoiden, beim Keuchhusten der Kinder an. Auch tragen die Frauenzimmer in Niedersachsen und Westfalen große Bernsteinkorallen auf einer Schnur am Halse als gutes ableitendes (elektrisches) Mittel gegen rheumatische Hals-, Ohren-, Kopf- und Zahnschmerzen, blöde Augen. Übrigens ist der Bernstein ein Hauptbestandteil des gewöhnlichen Räucherpulvers (s. Benzoe). Der Dr. Gerard (Journ. des connaiss. med.-chir. 1842. Jan. u. Schmidt's Jahrbb. 1842. Bd. 28. Heft 2. S. 160) teilt über die Wirkung des Bernsteins als idionlectrischer Körper äußerlich angewandt, einen interessanten Fall mit. Eine 38 Jahr alte, höchst sensible Dame litt seit 20 Jahren an einer Nervenkrankheit mit Anfällen von Konvulsionen der Glieder, wie des ganzen Körpers, welche meist des Morgens schon anfingen, und bis des Nachts, und zwar 40—50 Tage lang, dauerten. Ihr Verstand litt nicht, ihre Geduld war musterhaft. Viele Mittel wurden vergebens dagegen angewendet, auch Berührung mit dem künstlichen Magnet, wodurch aber der Krampfanfall sich verschlimmerte. G. legte nun eine Schnur Bernsteinkugeln um die Waden, und sogleich hörte in den Füßen der Krampf und das Zittern auf; auch konnte Patientin die Berührung der Teile ohne Schaden ertragen. Die Schnüre wurden nun auch um die Oberschenkel gebunden; nahm man sie ab, so stellten sich die Krämpfe wieder ein, legte man sie wieder um, so hörten sie sogleich auf. Als man die Schnüre der Kranken um den Hals legte, konnte man sie allenthalben, ohne allgemeine Erschütterung zu erregen, berühren, — sie konnte aufstehn, gehen und schien geheilt; aber so wie man die Schnüre wegnahm, verfiel sie in ihren früheren Zustand. Man legte immer noch mehr solcher Schnüre, im Ganzen wohl 70 Grammen Bernstein von der besten Sorte an. Mit dieser Armatur von ein bis drei Schnüren konnte sie Sinneseindrücke ertragen, die ihr sonst schmerzhaft waren. Seit 18 Monaten geniesst dieses Frauenzimmer eine Gesundheit, welche sie seit 20 Jahren nicht gekannt hatte; aber freilich darf sie ihre Bernsteinschnüre selten auf einige Stunden ablegen, ohne Irritation zu empfinden. — Woyt (I. c. p. 906) hält dem Bernstein eine große Lobrede. "Er dient wider alle Katarrhen, ganzen und halben Schlag, Schlafsucht, Schwindel, Krampf und Schwere — Not, wider welche er nicht allein so roh in Räuchereien, sondern auch innerlich dessen Praeparata, als die Pilulae de Succhio Cratonis, Magisterium Succini, Tinktura, Balsamus und Oleum Succini vortrefflich dienen. Er hat dabei auch eine anhaltende Kraft, daher er wider zu vieles Harnen (Diabetes), Durchfälle, Blutspeien und Samenfluss (Pollutionen) gut ist."


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