15) Scheintod durch mechanische Hindernisse in den Atemwerkzeugen und im Schlund

15) Scheintod durch mechanische Hindernisse in den Atemwerkzeugen und im Schlund. Dieser Scheintod entsteht durch Erstickung, indem das Atemholen durch irgend einen fremden in die Luftröhre gekommenen Körper gehindert wird. Oft ist der fremde Körper aber nur in die Speiseröhre gekommen und darin stecken geblieben, wodurch Geschwulst entstand, welche wegen der Nachbarschaft die Luftröhre durch Druck mechanisch verengte.

Behandlung. Die Ursache der Erstickung muss gehoben, der fremde Körper also weggeschafft oder an einen unschädlichen Ort, zum Magen gebracht werden. Sind spitzige Dinge: Stahlnadeln, eiserne Nägel etc. verschluckt, so gebe man etwas Essig zu trinken, sind es aber Silber- und Kupfermünzen, Messingnadeln etc. so darf man keine Säuren geben; hier sind ölige Dinge mit Glaubersalz und Sennesblätteraufguss zum Laxieren gut. Bei verschlucktem Glas oder einer Menge Nadeln, Fischgräten gibt man zur Linderung der Schmerzen vorerst viel Öl und Milch, dann lässt man Mehlbrei essen. Steckt der fremde Körper noch im Schlund, so suche man ihn durch kleine Schläge in den Rücken, durch kleine Zangen, Schlingen etc., die der Erfindungsgeist im Notfalle bald schafft, herauszuziehen, z. B. durch einen am Ende krummgebogenen Draht, den man vorher, ehe man ihn in den Schlund bringt, mit Öl bestreicht. Das erste und beste Instrument, was am schnellsten zu haben ist, bleiben der Zeige- und Mittelfinger der eingeübten Hand, welche man ganz gerade ausstreckt, damit in den Hintergrund fährt, den fremden Körper zangenartig fasst und ihn herausholt. Geht dies nicht, und drohet Erstickung, so binde man einen kleinen Schwamm an Fischbein, tunke ihn in Öl und stoße den fremden Körper damit in den Magen, oder man suche mit einem solchen Instrumente hinter ihn zu kommen, der Schwamm quillt allmählich im Schlund auf, und man kann den schädlichen Gegenstand so oft herausziehen. Dabei muss der Kranke ruhig sein, sich so wenig wie möglich bewegen, und ölige und schleimige Dinge genießen. — Will der fremde Körper gar nicht los, so versuche man starke Bewegung, Rütteln, Schütteln des Kranken, Lachen, Niesmittel etc. Oft ist die Erstickungsgefahr sehr groß; hier retten allein ein Aderlass am Arm, die Öffnung des Kehlkopfs, damit der Mensch unterhalb des fremden Körpers Luft schöpfen könne, und ein Vomitiv in die Adern gespritzt. Man sieht leicht ein, dass hier also schnelle Gegenwart des Arztes und Wundarztes nötig ist.

(Anmerkung. Manche kleine Kinder machen sich ein Vergnügen daraus, Erbsen, Bohnen oder andere kleine Körper auf die flache Hand zu legen und wegzublasen. Dabei ziehen sie vorher, um recht stark blasen zu können, den Atem recht tief ein, wobei der nahe am Mund befindliche Körper oft in den Schlund oder in die Luftröhre gezogen wird und Erstickungsgefahr erregt. Man dulde daher nie diese gefährliche Spielerei. — Überhaupt sind die Spiele mit Erbsen, Bohnen etc. für die Kinder sehr gefährlich, indem sie dieselben sich selbst oder eines dem anderen gern in die Nase oder die Ohren stecken. Hier erfordert die Behandlung Vorsicht, sonst wird das Übel oft schlimmer, und der fremde Körper dringt noch tiefer in diese Höhlen. Bei Erbsen oder Bohnen in den Ohren ist es am besten, wenn man mit einer kleinen Spritze lauwarmes Seifenwasser ins Ohr spritzt; dadurch fliegt der fremde Körper oft schnell heraus. Alles Ziehen und Purren kann dagegen oft schaden. Ist eine Bohne dem Kinde in die Nase gekommen, so mache man äußerlich oberhalb derselben erst mit dem Finger einen Gegendruck, ehe man sie versucht herauszuziehen, sonst stößt man sie oft noch höher in die Nasenhöhlen hinauf. — Alle trockne Hülsenfrüchte, die auf diese Weise in die Nasenhöhlen gedrungen, suche man übrigens schnell zu entfernen; denn wenn sie erst durch die Feuchtigkeiten in derselben aufquellen, so wird die Entfernung schwerer halten und die Gefahr größer werden.)


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