6) Geschirr und Gefäße für Speisen und Getränke

6) Die Gefäße, worin Speisen und Getränke gekocht und aufbewahrt werden, nehmen oft eine schädliche Eigenschaft an, und es sind traurige Beispiele genug bekannt, dass durch den Genuss der dadurch giftig gewordenen Nahrungsmittel ganze Familien erkrankt und getötet worden sind. Jedes Geschirr muss so beschaffen sein, dass es von den darin enthaltenen Speisen und Getränken nicht angegriffen wird, und dass sich nicht Teile des Geschirrs darin auflösen.

Die kupfernen Gefäße werden leicht von Säuren, von Salzen, von Fett und selbst von bloßem Wasser angegriffen, wenn diese Dinge darin gekocht worden sind und darin erkalten, indem sich so Grünspan bildet, der Krankheit und Vergiftung erregen kann (s. Anhang I. A). Jedes kupferne Geschirr muss rein und blank gescheuert sein und es darf, sollen jene gefährlichen Folgen verhütet werden, keine einzige Substanz darin erkalten.

Die zinnernen und überzinnten Gefäße würden ganz unschädlich sein, wenn das Zinn stets rein wäre. Es ist gewöhnlich aber mit anderen Metallen: Blei, Spießglas, Zink, Wismut etc. vermischt; selbst das englische Zinn enthält auf 15 Pfund ein Pfund Blei, und bei anderen Zinnarten findet man in zehn Pfund schon ein Pfund Blei. Daher dürfen auch in solchen Gefäßen keine Säure enthaltende Speisen und Getränke aufbewahrt oder gekocht werden, wenn nicht Bleivergiftung entstehen soll.

Am wenigsten schaden die eisernen Küchengeschirre; denn wenn sich auch das Eisen eben so leicht als Kupfer auflöst, so ist ein kleiner Eisengehalt unserem Körper doch nicht schädlich.

Die irdenen Geschirre, Fayence- und Töpferwaren, werden dadurch oft schädlich, dass die Glasur derselben Blei enthält. Billig sollte die Polizei besser auf diesen Umstand achten, besonders da es unschädliche Glasurmassen gibt, die denselben Zweck erreichen (s. Schweigger's und Meineken's Journal für Physik und Chemie. Bd. III. Heft 1. 1821. S. 111).

Die porzellanenen Gefäße sind ganz unschädlich, denn sie können die stärkste Hitze ertragen und werden von keiner Säure angegriffen; nur sind sie zum allgemeinen Gebrauche zu kostbar. Indessen kann das englische Steingut das echte Porzellan vollkommen ersetzen.

Die gläsernen Gefäße sind als Trinkgeschirr allen anderen vorzuziehen; denn sie werden von keiner Säure (die Flussspatsäure, die in keinen Speisen und Getränken ist, ausgenommen) angegriffen; nur schade, dass sie zerbrechlich sind und keinen plötzlichen Temperaturwechsel ertragen können; doch kann man sie dagegen auch in etwas abhärten und somit weniger zerbrechlich machen, indem man sie, ehe sie gebraucht werden, vorher mit kaltem Wasser im Kessel aufs Feuer setzt und eine Stunde lang kochen, dann aber durch allmähliche Entfernung des Feuers im Kessel kalt werden lässt, ehe man sie aus demselben nimmt.


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