Frühlingskuren

Frühlingskuren. Diese Kuren, wodurch man die Säfte des Körpers verbessern, vermindern, die Schärfe derselben als Ursache chronischer Hautausschläge, der Gicht etc. entfernen und Stockungen des Blutes, des Schleimes und der Galle etc. auflösen und zur Fortschaffung geschickt machen kann, um dadurch teils vor jenen und andern Krankheiten sich zu schützen, teils sie zu heilen, — sind in neuester Zeit zu sehr vernachlässigt worden. Und doch hatten sie eine ähnliche, gleiche, ja oft noch bedeutend erhöhte gute Wirkung als die sogenannten Kaltwasserkuren unserer Zeit, welche allerdings dasselbe zu leisten im Stande sind, zumal wenn die Schwitzkur damit verbunden wird und sich dadurch Hautkrisen einstellen. (S. Wasser.)

Die Frühlingskuren werden nur zur Zeit des ersten Frühlings, wo die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht und auch der Mensch einen neuen Lebensimpuls, eine kräftigere Blutzirkulation etc. fühlt, in Anwendung gezogen (bei uns etwa Ende Aprils), und drei bis sechs Wochen lang täglich unter passender Diät gebraucht. Wir zählen hierher:

1) die Kräuterkur, als blutreinigendes, Stockungen in Leber, Milz und Pfortader auflösendes Mittel. (S. Brunnenkresse.)

2) Die Milch- und Molkenkur. Sie bekommt Personen mit schwacher Brust, mit Anlage zur echten oder knotigen Lungensucht, zu Unterleibsschwindsucht, überhaupt abgezehrten Kindern und solchen Erwachsenen sehr gut; denn sie nährt, ohne je zu reizen oder zu erhitzen. Man nimmt die frische, noch warme Milch von einer frischmilchenden Eselin oder Kuh, und trinkt davon dreimal täglich eine bis drei Obertassen voll, wozu man etwas Weißbrot genießt. Sollte sie Anfangs den Magen beschweren, so vermischt man sie zur Hälfte mit Zuckerwasser. In arzneilicher Hinsicht ist die Milch noch ein herrliches Mittel bei dem chronischen Erbrechen in Folge organischer und anderer Magenfehler, gegen Vergiftungen durch Sublimat, Kupfer, Grünspan und andere scharfe Gifte. (S. unten Mittel, eiweißhaltige.) Ein wirksamer, heilkräftiger Bestandteil der Milch sind die Molken. Je nach den Umständen werden die Molken auf verschiedene Weise bereitet, mit Weinstein, Alaun, mit Tamarinden, Wein etc. und jede derselben passt nur in speziellen Fällen. (S. Mittel, eiweißhaltige.)

3) Der Bitterbrunnen. Bei vollsaftigen, robusten Männern, welche Anlage zum Schlagfluss und starken Blutandrang zum Kopf haben, ist der drei- bis vierwöchentliche Gebrauch solcher Bitterwasser ein großes Schutzmittel gegen den plötzlichen Tod oder die nachbleibende Lähmung durch Apoplexie. (S. Bittersalz und Bitterwasser.)

Außer diesen Frühlingskuren ist die Erdbeeren-, Weintrauben- und Steinobstkur gegen eingewurzelte Gicht, Unterleibsstockungen in Leber und Milz, Hämorrhoiden und Steinkrankheit bei allen wohlgenährten Personen von ausgezeichnetem Nutzen. Die Früchte müssen sämtlich völlig reif und süß sein und vier bis acht Wochen lang, neben gutem Weißbrot und frischem Wasser, dem Kranken zur einzigen Nahrung dienen.


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