Schöllkraut. Chelidonium majus

Schöllkraut, Schwalbenkraut, Goldwurzel (Chelidonium majus Linn.). Der gelbe Saft aus den Stängeln dieses auf Kirchhofsmauern viel wildwachsenden, gelbblühenden Krauts ist als äußerliches Mittel zur Vertreibung der Warzen an den Händen bekannt, hilft aber, da es nicht scharf genug ist, mehr durch den Glauben daran (sympathetische Kraft), als an sich selbst. Der aus den frischen Blumen und Blättern gepresste Saft, jeden Morgen zu ein bis zwei Teelöffeln voll mit warmer Fleischbrühe genommen, ist indessen ein schönes Mittel gegen Gelbsucht, Blutbrechen, Menstruations- und Hämorrhoidalleiden, Flechten, anomale Gicht, Stockungen in der Leber und Milz. Wer den frisch ausgepressten Saft nicht haben kann oder nicht mag, nimmt mit demselben günstigen Erfolg das auf der Apotheke käufliche Extractum Chelidonii, zwei- bis dreimal täglich zu zehn bis fünfzehn Gran, in Krausemünzwasser aufgelöst. Das frische Kraut, die frischen, etwas gequetschten Blätter wendet der hiesige Landmann gegen wunde Stellen der Pferde durch den Druck des Sattels, auch zum Verbinden unreiner Geschwüre mit Nutzen an.

Tabernomontanus (l. c. S. 103) handelt auf sechs Folioseiten über den innerlichen und äußerlichen Gebrauch des Schöllkrauts. Nach ihm führt es die gelbe Galle aus, sowohl durch den Stuhlgang, als durch den Harn. Besonders lobt er das Kraut und die Wurzel, in rotem Wein gesotten, gegen den übermäßig starken Goldaderfluss, in Essig bereitet gegen Pestansteckung, die klein zerschnittene und grün zerstoßene Wurzel gegen das kalte Fieber. "Der aus den gelben Blumen frisch ausgepresste Saft, mit Honig eingekocht, und davon auf die Augenlider gewischt, stärkt das schwache Gesicht und wird von Dioscorides gegen blöde Augen, se wie gegen Augenflecke gelobt. Wenn man den Saft der Schöllkrautwurzel mit Baumwolle da einreibt, wo keine Haare wachsen sollen, so erreicht man, sobald man dies acht Tage lang fortsetzt, seinen Zweck. Schnupft man ihn in die Nase, so hilft dies gegen Schwindel und heftiges Kopfweh. Auch heilt derselbe oder das gestoßene Kraut Geschwüre und Fisteln. Der Landmann rühmt das frisch gequetschte Schöllkraut gegen die schlimmen Geschwüre bei Pferden, entstanden durch den Druck eines schlechten Sattels."


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