Brennzylinder und Brenneisen

Brennzylinder und Brenneisen. Der einfachste Brennzylinder ist eine brennende Zigarre, die man, um schnell zu exzitieren, z. B. bei Konvulsionen, Ohnmacht, Scheintod etc. einige Augenblicke auf die Haut drückt. Auch ein Stück angezündeten Feuerschwamm kann man dazu benutzen, wie dieses bei den Kamtschadalen Gebrauch ist, indem sie deshalb Zunder konisch aufrollen, binden und oben anzünden. Die Araber bedienen sich als Moxa oder Brennzylinder eines blaugefärbten baumwollenen Stücks Tuch, die Beduinen gemeiner Baumwolle, die Braminen in Indien des Marks von Binsenrohr, die Chinesen und Japanesen der trocknen Beifussblätter. Ein sehr guter und wirksamer Brennzylinder wird aus Heede oder Flachs bereitet, mit Baumwolle umwickelt und dann mit einer Auflösung von Salpeter getränkt und getrocknet.

Das Brennen gehört zu denjenigen ableitenden Hautreizen, welche nicht allein gegen Kopf-, Gesichts- und Zahnschmerzen, sondern, namentlich in Afrika gegen Schwindsucht, Engbrüstigkeit, Leberleiden gelobt werden (s. G. F. Lyon a narrative of travels in northern Africa. Lond. 1821. S. 106). Der Deutsche, vorzüglich unser weibliches Geschlecht, scheut das Brennen in der Regel, gebraucht daher gelindere ableitende Hautreize gegen schmerzhafte Leiden des Kopfs etc., als Senfkuchen, geriebenen Meerrettich, grüne Seife, dick auf Leinwand gestrichen, — in schlimmem Fällen Spanische Fliegen. Indessen sind diese Mittel nicht immer schnell zu haben. In solchen Fällen kann man die Klinge eines breiten Messers eine halbe Minute lang in kochendes Wasser halten und, mit Handschuhen versehen, fest auf die Hautstelle drücken, wo man den Gegenreiz erregen will; z. B. bei Magenkrampf und Kolik auf die Magengegend, bei Kopf-, Zahn- und Gesichtsschmerz an den Hals, zumal an den Nacken, auf den Oberarm, die Wange der leidenden Seite etc. Man braucht nur einige Sekunden ein so erhitztes Messer (oder auch einen heißgemachten eisernen Hammer) fest auf die Hautstelle zu halten, und Hautröte, selbst kleine Brandblasen zeigen sich bald. Der Schmerz vergeht schnell, wenn man hinterher ein Läppchen mit Baumöl auflegt. — Will man eine größere Hautfläche, z. B. die Wade, Fußsohle bei Scheintoten (S. Anhang I. B) reizen; so kann man sich dazu eines gewöhnlichen Platteisens, worin ein glühender Bolzen befindlich ist, bedienen.

Zu den gelinden ableitenden Hautreizen gehören noch die trocknen Schröpfkröpfe (S. Blutentziehungen), zu den andauernd ableitenden, Nerven umstimmenden, Sekretionen ändernden Mitteln gehören auch die künstlichen Geschwüre, als Fontanellen, Seidelbast, Pustelsalbe (S. Geschwüre, künstliche).


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