2) Vipern- und Schlangengift

2) Das Vipern- und Schlangengift. Die Blindschleiche (Anguis fragilis) und die Natter (Coluber Natrix) sind nicht giftig. Diese, wie alle anderen giftlosen Schlangen, haben vier Reihen Zähne, nämlich eine Reihe am Kieferende und eine Reihe am Gaumen, oben und unten. Die giftigen Schlangen haben dagegen nur eine Reihe von Zähnen, nämlich die Gaumenreihe, und vorn bloß einige hohlröhrige Giftzähne, in denen sich in einem Bläschen das aus besondern Drüsen entquillende heftige Gift aufhält. Im Sommer bei heißer, schwüler Witterung sondert sich dasselbe am stärksten ab, daher ihr Biss, der mit dem Bau ihrer Zähne der Gestalt nach korrespondiert, dann am gefährlichsten ist.

Außerdem erkennt man giftige Schlangen an ihrem breiten, gleichsam herzförmigen Kopf, mit kleinen flachen Schuppen statt der Schildchen. Sie haben einen kurzen Schwanz und am Leibe kielförmige Schuppen mit scharfkantigem Rücken. In dem größten Teile von Deutschland finden wir die sogenannte giftige Kreuzotter, Otter oder Viper schlechtweg (Vipera Berus), welche braun, grau oder schwarzgrün aussieht, je nach Verschiedenheit des Geschlechts und Alters; daher Vipera Chersea, Kupfer- oder Feuerschlange (kupferfarben), und Vipera Prester, die schwarze Viper. In Süddeutschland findet man auch in einigen Gegenden die Vipera Redii und Vipera Ammodytes (Sandviper), deren Biss gleichfalls giftig ist.

Zufälle. Nach dem Bisse heftige, stechende Schmerzen an der Bissstelle, Entzündung, Geschwulst, schwarze Flecke an der Wunde; späterhin kalter Brand, Krämpfe, Zuckungen, Fieber, heftiger Durst, Wahnsinn, oft schneller Tod.

Hilfsmittel. Gleich auf der Stelle Ausspülen der Wunde mit Urin, mit Salzwasser, Aussaugen durch Schröpfköpfe, Auswaschen mit Seife, Essig, Einreibungen von flüchtiger Salbe, von kaustischem Salmiakspiritus, Ätzen der Wunde mit dem Glüheisen. Darauf verbinde man dieselbe mit flüchtiger Salbe, auf Charpie gestrichen, lege Einwickelungen um das ganze Glied durch fest anschließende Zirkelbinden, gebe innerlich viel Öl, Milch, auch Fliedertee mit 20 Tropfen Spirit. Sal ammon. anisat. zum Schwitzen, Ms der Arzt kommt. Das Eintröpfeln des Milchsaftes der Euphorbia characies, und auch der Euphorbia dendroides, in die blutende Wunde, und das Bedecken derselben mit Umschlägen aus den zerstoßenen Blättern und Stengeln derselben Pflanze, hält man in Ägypten für eins der sichersten und kräftigsten Mittel gegen Schlangenbiss (s. Buchners Repertor. d. Pharmacie. 2. Reihe. Bd. 27. Heft 1). Ist man im Freien und ohne Hilfsmittel, so wasche man die Wunde erst mit Urin aus und binde mittelst eines Tuches oder Bandes das leidende Glied recht fest oberhalb der Wunde, damit das Gift nicht schnell ins Blut geht.


 © textlog.de 2004 • 19.04.2019 02:27:05 •
Seite zuletzt aktualisiert: 03.01.2008 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z