7) Giftige Fische

7) Giftige Fische. Der englische Arzt Christison sagt in seiner Abhandlung über die Gifte (A. d. Engl. 1.831. S. 640), dass das Fischgift eins der sonderbarsten in der ganzen Giftlehre, und auch selbst gegenwärtig noch in ein großes Dunkel gehüllt sei. Es ist Tatsache, dass manche Fischarten, zumal in heißen Zonen, stets giftig sind; andere sind es nur für reizbare Personen, bei denen auch der Genuss von Krebsen, Austern und Muscheln stets Nesselausschlag macht. Es gibt keine besondere Fischart, die ein eigentümliches Gift besäße, aber kranke und in Fäulnis übergegangene Fische können schädlich sein und schlimme Zufälle erregen. Eine große Menge von Beobachtungen haben gelehrt, dass viele Arten Fische der westindischen Meere vom Monat Februar bis Juli ungesund, die übrige Zeit aber gesund sind, als: einige Arten Salmen, Brassen, Makrelen, Muränen, Goldfische, Hornfische u. s. w.

An der englischen Küste, auch zu Portabello in der Mündung des Forth, befindet sich ein kleiner Fisch: Trachinus vipera Cuvier, der die Badenden mit seiner Rückenflosse so heftig sticht, dass die Haut rot wird und anschwillt. Eben solche Zufälle erregt bei uns in der Ostsee der sogenannte Knurrhahn oder Steinpicker (Cottus Cataphractus).

In den indischen Gewässern gibt es eine Gattung von Zoophyten, Holothuria genannt, die von so beißender Schärfe sind, dass sie wie Feuer an den Händen, die sie berührten, brennen, wenn nicht sogleich gequetschter und in Wasser eingeweichter Knoblauch aufgelegt wird. Die Giftrochen, der Aquila marina, der Scorpius und die Scorpaena auf Minorka, erregen mit ihren Stacheln auf dem Rücken und im Schwanz sehr gefährliche Verwundungen. Die Eier von Esox Lucius und Esox Barricuda, von Muraena anguilla, von Balistes monoceros u. a. m. sind gleichfalls giftig (s. Marx, Lehre v. d. Giften. TM. 2. S. 68 u. 260).

Zufälle der Vergiftung. Kurze Zeit nach dem Genüsse giftiger Fische oder nach dem Genuss giftiger Fischeier: allgemeines Jucken und Brennen der Haut, heftige Schlund- und Leibschmerzen, Ekel, Erbrechen, Purgieren, Schwindel, Blindheit, kalte Schweiße, Schlummersucht, und oft schon nach einer Viertel- bis zwei Stunden der Tod. Wird der Kranke gerettet, so bleibt dennoch einige Tage lang Lähmung der Beine zurück.

Hilfsmittel. Erfolgt von selbst nicht hinreichendes Erbrechen, dann zuerst ein starkes Vomitiv von Ipecacuanha (s. Brechmittel); nach dem Erbrechen Limonade, Zitronensaft, starker Kaffee, kalte Kopfumschläge, ein Tee von Sternanis (J. J. Vircy), Melisse, Pomeranzenblüten.

Manche Personen werfen in die Fischteiche Kokkelskörner, welche von den Fischen begierig verschluckt werden. Letztere werden darnach betäubt, schwimmen dann oben auf dem Wasser und können mit der Hand gefangen werden. Solche Fische sind der Gesundheit eben so nachteilig, als jene, die in den Gegenden gefangen werden, wo Blei- und Kupferwerke abfließen. Nach Chisholm und Leblond erkranken viele Fische in den westindischen Gewässern periodisch zur Zeit, wo sie Medusen, Holothurien, Mancinellafrüchte, Teile der Corallina Opuntia und dergl. fressen. Nicht selten bekommt schon deshalb der Genuss der Fische schlecht, weil sie in stehenden, morastigen, sumpfigen Gewässern, in Fischteichen, die keinen Zufluss von frischem Wasser haben, lebten. Frank (Medic. Policei. Bd. III. S. 181) will daher, dass der Verkauf der Fischwaren allein durch verpflichtete Fischhändler auf öffentlichem Markt getrieben, aller heimliche Verkauf von Fischen in den Häusern, von Polizei wegen verboten, und dass tote Fische nicht zu Markt gebracht werden, und die aus sumpfigen Teichen erst einige Wochen in Behältern, welche in fließendem Wasser befindlich, gesünder gemacht werden müssten, ehe sie zum Verkauf auszubieten seien. Doch kann man dadurch solchen Fischen den moderigen Geschmack benehmen, dass man sie vor dem Sieden lebendig in reines Brunnenwasser, worin man etwas Kochsalz schüttet, setzt, die Fische darin umrührt, und dreimal frisches Wasser darauf-, das alte aber jedesmal vorher abgießt.

Zu den Krankheiten der Fische gehören: bei den Goldfischen und Lachsforellen Aussatz und Pocken, bei Brassen, Aalen und Rotaugen der Bandwurm. Werden solche Fische nicht recht scharf gesotten, so stirbt der Bandwurm nicht immer ab, sondern soll Leben und Wachstum im Körper des Menschen, der ihn genossen hat, fortsetzen (s. Krünitz, Enzyklopädie, Art. Fisch). Die am Aussatz leidenden Lachsforellen und Goldfische sehen fleckiger, als gewöhnlich aus, haben Knoten in den Eingeweiden und an der Brust, welche gewöhnlich voll von Würmern sind. Beim Laichen sind die Salmen oft mit Blasen bedeckt. Die Irländer und Ägypter zogen sich durch den Genuss solcher Salmen den Aussatz zu. Auf Isle de France werden, nach Munier, verschiedene Fische aus dem Geschlecht des Labrus zu gewissen Zeiten, wo sie ätzende Vielfüsse fressen, gleichfalls giftig, und auf der Havanna ist der Verkauf der Fische, die Ciquatos heißen, aus gleichen Gründen verboten.

Man erkennt die giftigen Fische daran, dass sie gelbe Zähne haben, und dass ein Stück Silber in ihr Maul gesteckt, während des Siedens Kupferfarbe annimmt (Frank a. a. O. Bd. in. S. 175). Fische, welche im Laichen begriffen sind, sind auch verdächtig. Die Zeit, in welcher jede Gattung von Fischen ihre Rogen wirft, muss bestimmt und von der Polizei der Fang und Verkauf einer solchen ernsthaft untersagt werden (Autenrieth).


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