Goethe - Werther


[F 231] Sie ist am furore Wertherino gestorben. Der Furor Wertherinus.

 

[F 350] Wer seine Talente nicht zur Belehrung und Besserung anderer anwendet, ist entweder ein schlechter Mann oder äußerst eingeschränkter Kopf. Eines von beiden muß der Verfasser des leidenden Werthers sein.

 

[F 387] Es trägt nicht wenig zu dem heutigen Verfall ernster Wissenschaften bei, dass man ein gewisses Wertherisches Schwärmen in der Liebe für das Zeichen eines großen Gefühls und den unwidersprechlichen Befehl der allgütigen Natur hält.

 

[F 496] Wenn Werther seinen Homer (ein albernes Mode-Pronomen) wirklich verstanden hat, so kann er sicherlich der Geck nicht gewesen [sein], den Goethe aus ihm macht. Ich meine hier nicht den Unglücklichen, dessen Geschichte jenes Buch veranlasst haben soll, der war wirklich und also auch möglich, sondern schlechterdings das Quodlibet von Hasenfuß und Weltweisen. Bei dem Tod geht eine Spaltung vor, der Hasenfuß erschießt sich und der Philosoph sollte billig fortleben. Wogegen hauptsächlich die Widerlegung und womöglich der Spott gerichtet werden muß, ist die Ehre, die diese Buben in einem stürmenden Herzen suchen. Sie hoffen auf Mitleid, aber auf ein beneidendes, das wesenloseste Geschöpf des kriechenden Stolzes, wenn ich so reden darf; und dann dass sie glauben, sie empfänden allein, was sie allein Torheit und Unerfahrenheit genug besitzen drucken zu lassen. Der Weise, so wie er mehr denkt als er sagt, genießt auch mehr als er ausdrucken kann und will. Jedes Gefühl unter dem Mikroskop betrachtet läßt sich durch ein Buch durch vergrößern. Ist es nötig oder ist es gut? es ist genug, wenn nur jene dunkeln Gefühle uns zum Guten stärken, und dann kann man die Entwicklung Müßiggängern überlassen. Meine Hand im Schlaf auf eine Falte eines seidenen Vorhangs geschlagen, diese Empfindung kann zu einem Traum aufwachsen und blühen dessen Beschreibung ein Buch erfordert.

 

[F 512] Die schönste Stelle im Werther ist die, wo er den Hasenfuß erschießt.

 


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