Willa Cather, Frau im Zwielicht.
(Übertr. von Magda Kahn.) Freiburg i. Br.: Urban Verlag [1929]. 227 S.


Dies Buch ist schauerlich gegen die Welt abgedichtet. Soviel Portieren verstecken das Pförtchen, an dem die Phantasie die concierge ist. So viele Teppiche sind über die Schwelle gelegt, so viel ewige Lampen der Sehnsucht hängen in allen Eckchen. Der Leser kommt sich vor wie ein Kanarienvogel, der mitten in der Geschichte im Bauer sitzt. Die süßen Aromen des Ehebruchs, den man nicht weiß, schwängern die Atmosphäre wie Weihrauchkerzen. Wäre das Buch nicht so verdammt zart, man möchte es verdammt unverschämt nennen. So imponierend ist die Technik, die diese stubenreinen Liebesspielchen uns wiedergibt und im Vorbeigehen Tränen unserer Rührung als Gotteslohn abfängt. Ein ganz und gar kunstvolles und ein ganz und gar nichtiges Buch.


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Seite zuletzt aktualisiert: 01.04.2011 
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