Drei kleine Kritiken von Reisebüchern



Venedig in Bildern.
(Aufnahmen von Alinari-Florenz und Bruno Reiffenstein-Wien. Hrsg. von Johannes Eckardt.) Leipzig und Wien: Verlag Dr. Epstein 1928, 195 S., 96 Abb.


Bücher verlegen muß eine ebenso unbezwingliche Leidenschaft sein wie Bücher schreiben. Wenigstens möchte man »in den geheimsten Falten des menschlichen Herzens« der Ursache nachspüren, die einen Verleger zur Herstellung dieses Bilderbuches »Venedig« veranlassen konnte. Denn wie man zu den bekannten Versuchen der neueren Landschafts- und Städtephotographie auch stehen mag – und neben deren Verdiensten soll auch ihr Problematisches nicht übersehen werden – der Stil jener »Prachtwerke«, die tote Fassaden abzirkeln, genrehafte Veduten aus Architekturen stellen, Perspektiven mit der Staffage verträumter Müßiggänger verschönen, durfte seit Jahren für begraben gelten. Hier feiert er Auferstehung. Aus Ladenhütern der Firma Alinari, Florenz, und der »Kamerabeute« eines Herrn Reiffenstein hat man ein Herbarium ungeschickt gepreßter Architekturen zusammengestoppelt. Blieb an den Originalen etwas zu verderben, so hat die Reproduktion es besorgt. Sie bringt es mit sich, daß der Himmel über dieser Stadt wie über Tromsö oder Hammerfest zu lasten scheint. Ein Kupfertiefdruckgebiet hat sich gegen die Adria vorgeschoben. Am Ende hat dann wohl der Herausgeber ziemlich ratlos vor der Bescherung gestanden und sich nichts Besseres gewußt, als einige Auszüge aus Goethe, Justi und Hehn dem Bande voranstellen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 01.04.2011 
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