Heinrich Bruno Schindler, Das magische Geistesleben. Ein Beitrag zur Psychologie. Nach der Erstausgabe von 1857 mit einem Nachwort neu hrsg. von Curt Moreck. Celle: Niels Campmann 1927. 433 S.


Diesem Neudruck von 433 Seiten fehlte jeder Anlaß. Die Schrift des Mediziners Schindler ist ein typisches Dokument jener romantischen Psychologie, die als Lehre von den Träumen, von der Nachtseite der Seele, von den magnetischen Strömungen neben der Naturphilosophie von Ritter, Oken und andern einhergeht. Leider aber ist sie nur »typisch« – farblose Variante dessen, was Schubert, Carus, Ennemoser vorgebracht hatten, und im Quellenmaterial so unkritisch und verworren, daß man schon auf Görres' »Christliche Mystik« zurückgehen muß, um ein ähnliches Konvolut von Angaben »magischer« Vorfälle allerverschiedenster Art zu finden. Daß dem Buch nicht nur ein Register, sondern selbst das Inhaltsverzeichnis fehlt, ist für diese Art von Kompendien bezeichnend. Dabei mag die Schrift zu ihrer Zeit nicht unverdienstlich gewesen sein, wenn auch die schwächliche, moderantistische Theorie, die da aus dem einigermaßen beschränkten Gesichtswinkel des dilettierenden Arztes entwickelt wurde, von vornherein etwas privat anmutet. Heute aber, da das erste Anliegen der Forschung die strenge Sonderung der vielen höchst heterogenen Dinge ist, die unter dem Begriff des »Magischen« vor hundert Jahren zuerst zusammengefaßt wurden, ist der Neudruck dieser Schrift geradezu anstößig. Von der aktuellen Sachlage auf diesem Gebiet verrät der Herausgeber in einem Nachwort, das ebenso unpräzise ist wie das Buch, keine Kenntnis. Der Forscher, wenn anders er es zu benutzen hätte, findet es auf jeder Bibliothek. Wer sonst sich an den vielen Geistergeschichten erbauen will, mag immerhin zugreifen.


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