Tarassow-Rodionow, Februar. Roman. Übersetzung aus dem Russischen von Olga Halpern. Potsdam: Gustav Kiepenheuer Verlag 1928. 588 S.


Rodionow Tarassow ist bisher im Deutschen nur mit der ausgezeichneten, viel zu wenig bekannten Novelle »Schokolade« erschienen, einem eindring­lichen Porträt des Kriegs-Kommunismus. Auch das neue Werk kommt aus dem Stoffkreis der Revolution. »Februar« ist der erste Teil einer Trilogie »Schwere Schritte«. Sie wird mit den beiden folgenden Bänden »Juni« und »Oktober« die ganze Geschichte der Revolution in der Form der Roman-Chronik umfassen. Der vorliegende Band führt bis zum Sturz der Kerenski-Regierung. Tarassow bemüht sich, den Vorgang dokumentarisch, unter Beibehaltung aller Daten und Namen aufzuzeichnen. Er hat aber nicht nur die Archive studiert, sondern als Rot-Armist selber mitten in den Befreiungskämpfen gestanden. Das gibt der Darstellung jene scharfe, emotionelle Bewegung, die schon im Vorwort sich ankündigt. Dort macht zu Beginn des großen Unternehmens der Verfasser den Einwurf: Ist es nicht noch zu früh, eine überschauende, zusammenfassende Darstellung jener Vorgänge anzustreben? Und er erwidert sich selbst: »Wie kann es aber zu früh sein, wenn der Uhrzeiger, der schon Milliarden Sekunden durchlief, ein immer dichteres Netz der Vergessenheit spinnt, in dem die grellen Bilder jener nicht wiederkehrenden Tage immer tiefer und tiefer versinken.« Der vorliegende Band läßt die nachfolgenden mit Spannung erwarten. Wir werden nach ihrem Erscheinen auf das Ganze zurückkommen.


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