Otto Deneke, Lessing und die Possen 1754. Heidelberg: Verlag von Richard Weißbach 1923. 80 S. (Stachelschriften. Hrsg. von G.A.E. Bogeng. Neuere Reihe. 1.)



Johann Friedrich Schink, Marionettentheater. Hrsg. von K.W. Herrmann. Heidelberg: Verlag von Richard Weißbach 1925. 224 S. (Stachelschriften. Hrsg. von G.A.E. Bogeng. Neuere Reihe. 2.)


Der renommierte Historiker der Bibliophilie Dr. jur. Bogeng gibt bei Weißbach eine Reihe von alten Streitschriften heraus, deren bisher in vorzüglicher Ausstattung zwei vorliegen. Im ersten Bändchen behandelt Otto Deneke (berühmt durch seine hervorragende Sammlung deutscher Literatur) Lessing und die »Possen«. Cimelien aus seinem Besitz gaben Deneke Veranlassung zu einer lichtvollen Darstellung des sehr kuriosen Streites, der in den Anfängen der Lessingschen Schriftstellerei zwischen dem großen Autor und einem Anonymus – eben dem Verfasser der »Possen« – sich abspielte. Wie manierlich und elegant da auf bloßen Titelblättern eine Polemik sich ausspinnt, mag man nachlesen. – Erheblich massiver ist das zweite Pamphlet der Reihe, Schinks »Marionettentheater«, das 1778 als Protest gegen das Geniewesen ans Licht trat. Nicht witzlos, doch mit der ganzen Heftigkeit eines Apostaten verfaßt, den noch dazu die Geschichte ins Unrecht gesetzt hat. Literarhistorisch sind die beiden Stücke des Bandes »Hanswurst von Salzburg mit dem hölzernen Gat« – der Titel selbstverständlich auf den »Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand« gemünzt – und »Der Staupbesen«, sehr interessant. Der Grobianismus des 16. Jahrhunderts präsentiert sich im Aufputz des Rokoko.


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