Arthur Holitscher, Es geschah in Moskau.
Roman. Berlin: S. Fischer Verlag 1929. 272 S.


Ein historischer Roman aus der Zeit der Nep – der »neuen ökonomischen Politik«. So müßten wir sagen, wenn wir uns an Holitschers Untertitel »Ein Roman« halten. Aber ist es überhaupt einer? Dichtung und Wahrheit geben einen solchen ja nur in einem ganz bestimmten stofflichen Mischungs­verhältnis, bei einer ganz bestimmten geistigen Temperatur, in einer ganz bestimmten technischen Versuchsanordnung. Hier durchdringen sich beide Elemente nur unvollständig. Immer wieder treten der Held dieser Seiten – das Moskau des Jahres 1924 – und der erlebte dokumentarische Bestand auseinander. Holitscher hat diesen letzten schon früher in einer Anzahl instruktiver und einflußreicher Berichte entwickelt. Hier aber kommt ein Neues dazu. Die kompositorische Ironie der Erzählung erlaubt ihm, dem Auge des Lesers den Nebel sichtbar zu machen, in dem die großen politischen Revirements vom Kreml heruntersteigen, die Atmosphäre der Unsicherheit und des Mißtrauens zu zeigen, die sie verbreiten, und den ungeheuren Heroismus greifbar zu machen, der in jenen Tagen der Prüfung für viele überzeugte Parteiarbeiter Loyalität und Disziplin (Dinge, die nur im Westen so simpel scheinen) gewährleisten mußte. In dieser Darstellung der Nep ihrer internen atmosphärischen Auswirkung nach liegen die besten Seiten dieses politischen Romans, des ersten einer Romantrilogie, »die in drei Weltstädten spielt und. die Zeitspanne zwischen dem letzten und dem nächsten Weltkrieg umfaßt«. Hoffen wir, sie wird noch zur Zeit fertig!


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