Kausalität - Descartes, Spinoza, Leibniz


ECKHART sieht in allem Geschehen einen Ausfluß göttlicher Wirksamkeit. NICOLAUS CUSANUS vereinigt den Begriff der Naturcausalität mit dem der göttlichen Wirksamkeit. AGRIPPA VON NETTESHEIM erklärt: »Nulla... est causa necessitatis effectuum, quam rerum omnium connexio cum prima causa et correspondentia ad illa divina exemplaria et ideas aeternas« (Occ. philos. I, 1). PARACELSUS erkennt nur innere Ursachen an. Dagegen fassen CARDANUS, TELESIUS, CAMPANELLA, GALILEI u. a. die Kausalität der Natur als eine mechanische (s. d.) auf. So auch F. BACON und besonders HOBBES. Nach ihm »wirkt« ein Körper auf jenen Körper, in welchem er einen Zustand erzeugt oder vernichtet (De corp. IX, 1). Die vollständige Ursache ist ein Aggregat aller Zustände (Akzidentien) des Tätigen (l.c. 3). Mit der vollständigen Ursache ist die Wirkung gegeben. Jede Wirkung setzt notwendig eine Ursache voraus (l.c. 5). DESCARTES rechnet das Kausalgesetz (»ex nihilo nihil fit«) zu den »ewigen Wahrheiten« (s. d.), d.h. zu den denknotwendigen Sätzen, die immer gelten (Princ. phil. I, 49). Alles Geschehen hat eine Ursache seiner Existenz sowohl wie seiner Fortdauer (Resp. ad I. Obi.). Nicht die Zweck-, sondern die bewegenden Ursachen sind wissenschaftlich zu suchen. »Ita denique nullas unquam rationes circa res naturales, a fine, quem Deus aut natura in iis faciendis sibi proposuit, desumemus... Sed ipsum ut causam efficientem rerum omnium considerantes, videbimus, quidnam ex iis eius attributis, quorum nos nonnullam notitiam voluit habere, circa illos eius effectus, qui sensibus nostris apparent, lumen naturale, quod nobis indidit, concludendum esse ostendat« (Princ. phil. I, 28). SPINOZA erblickt in Gott oder der »natura naturans« den Urgrund alles Geschehens, aber derselbe ist den Dingen immanent, wirkt in ihnen als Substanz (s. d.). Aus Gott »folgt« (sequitur) alles mit mathematisch-logischer Notwendigkeit, wie aus der Natur des Dreiecks folgt, daß es zwei rechte Winkel hat (Eth. I, prop. XVI). Gott ist »causa efficiens«, »causa per se«, »absolute causa prima« (Eth. I, prop. XVI). »Deus est omnium rerum causa immanens, non vero transiens« (l.c. prop. XVIII). Innerhalb des Alls ist jedes Geschehen streng causal - ohne finale Ursachen (s. Teleologie) - bedingt, ein Modus (s. d.) der »Substanz« durch den andern. »Ex data causa determinata necessario sequitur effectus, et contra si nulla detur determinata causa, impossibile est, ut effectus sequatur« (Eth. I, ax. III, prop. XXVIII). »Effectus cognitio a cognitione causae dependet et eandem involvit« (l.c. ax. IV). Nichts ist ohne Wirkung: »Nihil existit, ex cuius natura aliquis effectus non sequatur« (Eth. prop. XXXI). Sowohl für die Existenz als die Nichtexistenz eines Dinges (Geschehens) muß ein Grund, eine Ursache bestimmt werden. »Cuiuscunque rei assignari debet causa seu ratio, tam cur existit, quam cur non existit« (l.c. prop. XI, dem.). »Adäquate« Ursache (»causa adaequata«) ist jene, »cuius effectus potest clare et distincte per eandem percipi«, »inadäquate« (oder »partielle«) Ursache jene, »cuius effectus per ipsam solam intelligi nequit« (Eth. III, def. I). Geistiges kann nicht auf Körperliches wirken, es besteht hier nur ein Parallelismus (s. d.). Gott ist »causa sui« (s. d.), hat keinen Seinsgrund außer sich, besteht in und durch sich. Auch GEULINCX (s. Occasionalismus) und MALEBRANCHE erkennen in Gott die wahre Ursache alles Geschehens. Letzterer betont: »Il y a nul rapport de causalité d'un corps à un esprit. Que dis-je! il n'y en a aucun d'un esprit à un corps. Je dis plus, il n'y en a aucun d'un corps à un corps, ni d'esprit à un autre esprit« (Entret. sur la mét. IV, 11). »Dieu, qui agit en nous« (Rech. II, 6). »Il n'y a donc qu'un seul vrai Dieu et qu'une seule cause, qui soit véritablement cause, et l'on ne doit pas s'imaginer que ce qui précède un effet en soit la véritable cause« (Rech. VI, 2, 3). Das Einzelgeschehen ist nur Gelegenheit (»occasio«) für ein durch das Ganze bestimmtes anderes. LEIBNIZ führt das Kausalprinzip auf das Denkgesetz des »Satzes vom Grunde« (s. d.) zurück, welches dazu dient, Erfahrungstatsachen zu begreifen. Nach diesem Gesetze geschieht nichts ohne zureichenden Grund (»raison suffisante«); das ist keines Beweises bedürftig (Monad. 32, 36; Theod. I, § 44; 3. u. 5. Br. an Clarke). Aber die Kausalität besteht nicht in einem »influxus« eines Dinges auf andere, alle Wirksamkeit ist immanent, bleibt innerhalb der Wesen, Monaden (s. d.). Aus der Einfachheit dieser folgt, daß die natürlichen Veränderungen der Monaden von einem inneren Prinzip kommen (Monad. 11). Jeder gegenwärtige Zustand einer Monade ist eine natürliche Folge ihres vorhergehenden Zustandes (l.c. 22). Keine wahrhafte, directe Wechselwirkung besteht zwischen den Dingen, sondern eine »prästabilierte Harmonie« (s. d.), aus der eine bestimmte Ordnung, eine bestimmte Abhängigkeit der Dinge voneinander sich ergibt, obgleich die Tätigkeit derselben in ihnen verbleibt. »L'action entre substances créés ne consistant que dans cette dépendance que les unes ont des autres en suite de la constitution originale, que Dieu leur a donnée...« (Gerh. IV, 492). »Les efforts sont chez eux et ne vont pas des unes dans les autres, ear ce ne sont que des tendances« (l.c. S. 493). Es gibt auch eine rein psychische Kausalität in den Seelen: »L'âme est excitée aux pensées suivantes par son objet interne, c'est-à-dire par les pensées précédentes« (Gerh. III, 464). Nach CHR. WOLF ist Kausalität »ratio illa in causa contenta, cur causatum vel simpliciter existat vel tale existat« (Ont. § 884). CRUSIUS nennt Kausalität »dasjenige Verhältnis zwischen A und B, da die Wirklichkeit B von der Wirklichkeit A abhanget, ohne daß B nur mit A zugleich ist oder darauf folget, und auch so, daß B kein Teil, determinierende oder inhärierende Eigenschaft von A sein darf« (Vernunftwahrh. § 32).


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