Kategorien - Schopenhauer, Cohen, Husserl


Die Apriorität (s. d.) der Kategorien wird von Kantianern und Halbkantianern teils in streng logischem (rationalem), teils in mehr psychologischem Sinne genommen. Nach REINHOLD sind die Kategorien »bestimmte Formen der Zusammenfassung in objektiver Einheit«, »Handlungsweisen des Verstandes« (Vers. ein. neuen Theor. II, 458). BECK setzt das Wesen der Kategorien in die Erzeugung objektiver Einheit des Bewußtseins (Erl. Ausz. III, 155). Nach S. MAIMON sind sie Beziehungsformen des Denkens (Vers. üb. d. Transcend. S. 44). PLATNER sieht in den Kategorien »Grundanlagen des Verstandes«, subjektiv und zugleich objektiv, durch die Dinge selbst bedingt (Log. u. Met. S. 83 ff.). KRUG bestimmt die Kategorien als gesetzmäßige Handlungsweisen des Verstandes (Fundamentalphilos. S. 151, 168). »Kategorien der Sinnlichkeit« sind Räumlichkeit, Zeitlichkeit, räumliche Zeitlichkeit (Handb. d. Philos. I, 261). »Die Kategorien des Verstandes« sind »transzendentale Begriffe«, »welche nichts anderes ausdrücken, als die ursprüngliche Denkform selbst, abgesondert von dem Stoffe, mit welchem sie im gemeinen Bewußtsein zu empirischen Begriffen von wirklichen Gegenständen verschmolzen ist« (l.c. I, 266). Zu unterscheiden sind »reine« und »versinnlichte« (»schematisierte«) Prädikamente (l.c. I, 273). Die »Urkategorie« ist die Realität (das Sein). Die Verstandeskategorien sind: Einheit, Vielheit, Allheit; Positivität (Gesetztsein), Negativität, Limitativität (Beschränktsein); Beständigkeit, Ursachlichkeit, Gemeinschaftlichkeit; Möglichkeit, Wirklichkeit, Notwendigkeit (l.c. I, 272 f.). Nach FRIES sind die Kategorien ursprüngliche Tätigkeitsformen des Denkens, welche Einheit in die Erfahrung bringen (N. Krit. II2, 27). Es sind dies: Ding, Beschaffenheit (Größe, Eigenschaft), Verhältnis, Art und Weise, Ort, Zeit (Syst. d. Log. S. 387). - Nach JACOBI sind die Kategorien notwendig und allgemeingültig, nicht weil sie apriori sind, sondern weil die durch sie ausgedrückten Beziehungen »unmittelbar und in allen Dingen vollkommen und auf gleiche Weise gegeben sind« (WW. II, 261).

SCHOPENHAUER erklärt, die Kantische Kategorientafel verdanke ihren Ursprung einem Hange zur architektonischen Symmetrie (W. a. W. u. V. I. Bd., S. 447). Von den Kategorien sind elf als grundlos zu entfernen. Nur die Kausalität (s. d.) ist zu behalten, deren Tätigkeit aber schon »Bedingung der empirischen Anschauung« ist (l.c. S. 446 f.). Für die Begriffe dürfen wir »keine andere a priori bestimmte Form annehmen, als die Fähigkeit zur Reflexion überhaupt« (ib.). Nur die Kausalitätskategorie ist a priori vorhanden und die »Form und Function des reinen Verstandes« (l.c. S. 449). Nach F. A. LANGE gehen die Kategorien aus bestimmten Einrichtungen unseres Denkens hervor, durch welche »die Einwirkungen der Außenwelt sofort nach der Regel jener Begriffe verbunden und geordnet werden« (Gesch. d. Material. II3, 44). HELMHOLTZ erklärt Kausalität, Kraft, Substanz für apriorische Grundbegriffe (Tats. in d. Wahrn. S. 42). Nach O. SCHNEIDER ist die Kategorie (kategoriale Funktion) eine »Geistestätigkeit, welche den Bewußtseinszustand klaren und deutlichen Auffassens des Seienden und des Zusammenfassens des Vielen im Gemeinsamen und damit jede Erkenntnis... überhaupt erst ermöglicht, dann aber auch dem kritischen Geiste zu jenem Bewußtseinszustande verhilft, in welchem er sich von dem Vorhandensein solcher Tätigkeit Rechenschaft gibt«. Die Kategorien sind a priori, formen die Erfahrungsinhalte (Transzendentalpsychol S. 94). Es gibt: 1) subjektive Stammbegriffe, welche bewirken, daß ein bestimmtes Etwas in meinem Bewußtsein und für dasselbe als Gegenstand da ist: Ding und Eigenschaft, Einheit, Vielheit und Allheit, Identität und Verschiedenheit; 2) objektive, Wirklichkeits- oder Seinsbegriffe: Ursache und Wirkung, Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit (l.c. S. 129). FR. SCHULTZE nimmt vier Kategorien an: Zeit, Raum, Kausalität, Empfindung. Die drei ersten sind Subjektiv, immanent, apriorisch (Philos. d. Naturwiss. II, 325). Nach H. COHEN sind die Kategorien ursprüngliche Verknüpfungsarten des Mannigfaltigen, notwendige, logische Bedingungen der Erfahrung (Kants Theor. d. Erfahr.2, S. 248, 255). »Die Kategorien sind nicht angeborene Begriffe, sondern vielmehr die Grundformen, die Grundrichtungen, die Grundzüge..., in denen das Urteil sich vollzieht,« »Betätigungsweisen des Urteils« (Log. S. 43 ff.). Eine Urteilsart kann eine Mehrheit von Kategorien enthalten, und eine Kategorie kann zugleich in mehreren Urteilen enthalten sein (l.c. S. 47 ff.). Die Kategorie bedeutet »die reine Erkenntnis, welche die Voraussetzung der Wissenschaft ist« (l.c. S. 222); ähnlich NATORP, K. VORLÄNDER u. a. Nach HUSSERL, sind die Kategorien a priori, sie gehören zur Natur des Verstandes (Log. Unters. II, 672), sie sind die ergänzenden Formen, welche unmittelbar kein Correlat in der Wahrnehmung haben (l.c. II, 608). Durch Idealgesetze wird die Anwendung der Kategorien geregelt, begrenzt (l.c. II, 660 ff., I, 243 ff.). - Vgl. WINDELBAND, Vom System der Kategorien 1900.

In anderer Weise werden die Kategorien aus der Gesetzmäßigkeit des Denkens abgeleitet, wobei zum Teil die objektive Geltung jener betont wird, sei es für die immanenten, sei es für transzendente Dinge.


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