Vorstellung - Hegel, Helmholtz, Herbart...

Als Erinnerungsbild bestimmt die Vorstellung E. REINHOLD (Lehrb. d. philos. propäd. Psychol.2, S. 132 ff.). Logisch hat die Vorstellung als Bestandteil des Urteils Geltung (l. c. S. 318). Als »erinnerte Anschauung« erklärt die Vorstellung HEGEL (WW. VII 2, 323. vgl. XI, 63). Ähnlich DAUB (Philos. Anthropol. 191), MICHELET (Anthropol. S. 284 ff.), E. ROSENKRANZ (Syst. d. Wissensch. S. 42), HANUSCH (Handb. d. Erfahrungsseelenlehre S. 70 ff.), G. BIEDERMNN (Philos. als Begriffswissensch. I, 17 ff., 23) u. a. Ähnlich ferner LOTZE (Grdz. d. Psycholog. § 14. vgl. Mikrok. I2, 216 ff.. Met. S. 520), nach dem die Vorstellungen von den Empfindungen völlig verschieden sind (vgl. auch MEYNERT, Psychiatrie, S. 264), FECHNER (Elem. d. Psychophys. II, 464), HELMHOLTZ (Physiol. Opt. S. 435), CZOLBE, der die Vorstellung als »die Wiederholung (Reproduktion) einer Empfindung, eine Gefühls oder einer sinnlichen Wahrnehmung« bestimmt (Gr. u. Urspr. d. menschl. Erk. S. 225 ff.), GEORGE (Lehrb. d. Psychol. S. 226), L. GEIGER (Urspr. u. Entwickl. d. menschl. Sprache I, 30), C. GÖRING, nach dem die Vorstellung »die Reproduktion einer Empfindung der Sinnesorgane« ist (Syst. d. krit. Philos. I, 47), R. SEYDEL (Log. S. 40), A. RAU (Empfind. u. Denk. S. 337), ZIEHEN (Leitfad. d. physiol. Psychol.2, S. 108), SCHUBERT-SOLDERN (Gr. ein. Erk. S. 346), WITTE (Vorstellen = ein Abwesendes im Bewußtsein repräsentieren, Vors. d. Seele S. 52), H. WOLFF (»Vorstellungen sind der seelische Nachklang des gesamten Sinnlichkeitslebens«, Handb. d. Log. S. 163), ähnlich JODL (Lehrb. d. Psychol. S. 140. Vorstellung = »sekundäre« Bewußtseinserregung). REHMKE (Vorstellen = »Haben von Gegenständlichem«, »Wiederhaben eben desselben, was dem Bewußtsein früher eigen war, unter anderen wirkenden Bedingungen«, Allgem. Psychol. S. 246 ff.), so auch TH. KERRL (Aufmerks. S. 26). EBBINGHAUS, der für psychologische Zwecke die Vorstellungen als Erinnerungen auffaßt, d.h. als »Gebilde..., die, obwohl nicht durch die leiblichen Sinnesorgane und ihre äußeren Reize direkt vermittelt, doch dem sinnlich Empfundenen inhaltlich unverkennbar ähnlich sind« (Grdz. d. Psychol. I, 523 ff.. vgl. I, 539. »Vorstellungen in Bereitschaft« sind »Vorstellungen, die noch nicht selbst bewußt, aber dem Bewußtwerden nahe sind«, l. c. S. 56), KÜLPE (Gr. d. Psychol. S. 288), W. JERUSALEM (Vorstellung = »reproduzierte Wahrnehmung«, Lehrb. d. Psychol.3, S. 69 f.), H. CORNELIUS (Psychol.. Einl. in d. Philos. S. 175 ff.), R. STEINER (Vorstellung = »eine auf eine bestimmte Wahrnehmung bezogene Intuition, ein Begriff, der einmal nur einer Wahrnehmung verknüpft war und dem der Bezug auf diese Wahrnehmung geblieben ist« Philos. d. Freih. S. 103), ferner SULLY (Handb. d. Psychol. S. 158 ff.), BALDWIN (»representation« = die Funktion, »by which the material acquired in presentation is retained, reproduced and intelligently used in the procesess of mind«, Handb. of Psychol. I2, ch. 6, p. 80 f.), H. SPENCER, BAIN, JAMES, J. WARD, STOUT u. a. (s. Representation).

SCHOPENHAUER identifiziert Objekt (s. d.) und Vorstellung. Die Welt der Objekte als solcher ist die »Welt als Vorstellung«, als solche Erscheinung des Willens (s. d.). - HERBART versteht unter Vorstellung den psychischen Grundprozess, der allen psychischen Vorgängen zugrunde liegt (s. Intellektualismus, Gefühl), den seelischen Elementarzustand, den sie als »Selbsterhaltung« (s. d.) gegenüber den drohenden »Störungen« (s. d.) produziert (Met. II, § 234). »In den Vorstellungen empfängt die Seele keinen Stoff von außen her, vielmehr sind sie nur vervielfältigte Ausdrücke für die innere eigene Qualität der Seele« (Psychol. als Wissensch. II, § 138). Die Vorstellungen bleiben (unbewußt) in der Seele (Psychol. I, § 94. Lehrb. zur Psychol.3, S. 10. ähnlich u. a. CRUSIUS, Weg zur Gewißh. § 99. FRIES, Syst. d. Log. S. 55. SCHLEIERMACHER, Psychol. S. 437) An sich sind sie keine Kräfte, aber sie »werden Kräfte, indem sie einander widerstehen. Dieses geschieht, wenn ihrer mehrere entgegengesetzte zusammentreffen« (Lehrb. zur Psychol.3, S. 15). Durch den Widerstand verwandelt sich das Vorstellen in ein »Streben, vorzustellen« (l. c. S. 16. Psychol. als Wissensch. I, § 36 ff.). Statik (s. d.) und Mechanik (s. d.) des Geistes berechnen die Gleichgewichts- und Bewegungsverhältnisse der Vorstellungen (s. Hemmung, Reproduktion). Ähnlich lehren STIEDENROTH, G. SCHILLING, DROBISCH, R. ZIMMERMANN, LINDNER, DRBAL u. a. Auch VOLKMANN (Lehrb. d. Psychol. I4, 165 ff.). Die Vorstellung entsteht aus dem »Zusammen« der Seele mit anderen Wesen (l. c. S. 167). Sie ist der einfache Zustand der Seele, »in welchem. diese ihren Gegensatz zu den Realen, mit denen sie sich in unmittelbarem oder vermitteltem Zusammen beendet, zum Ausdruck bringt. Diesen Zustand als Geschehenes, als Tat, als innere Entwicklung und Ausbildung der Seele gefußt, nennen wir Vorstellung, als Geschehen, als Tätigkeit Vorstellen«. »Die Vorstellung ist das Vorgestellte, d.h. das, was das Vorstellen darstellt und festsetzt, was es zur Geltung bringt und in seiner Geltung behauptet« (l. c. S. 168). - BENEKE definiert: »Vorstellung heißt jede Seelentätigkeit, inwiefern sie Subjekt eines Urteils ist« (Neue Grundleg. zur Met. S. 6). »Eine Vorstellung kann unmittelbar als Vorstellung eines bestimmten Seins nur dadurch erkannt werden, daß dies in ihr selbst irgendwie durch eine unmittelbare Beziehung auf dasselbe ausgedrückt ist« (l. c. S. 10). Das Vorstellen besteht in der »Ausfüllung der Urvermögen durch die ihnen von außen kommenden Elemente« (Pragmat. Psychol. I, 48. Lehrb. d. Psychol.3, § 115). Aus jedem Urvermögen kann sowohl ein Vorstellen als ein Begehren hervorgehen (Lehrb. d. Psychol. § 116. vgl. § 128 ff.. vgl. § 145 ff.). Nach G. SPICKER ist die Vorstellung »die bewußte Empfindung« (K., H. u. B. S. 134).

Nach J. H. FICHTE sind Vorstellungen »nicht Kräfte, sondern Produkte«. Es gibt keine selbständigen Vorstellungen, sondern nur ein vorstellendes Seelenwesen (Psychol. I, 153). Vorstellen ist die freie Tätigkeit des Geistes, wenn sie das sinnlich Gegebene bewahrt, dann aber aus sein er Verdunklung hervorruft und vor das Bewußtsein wieder hinstellt (Psychol, I, 391). Nach ULRICI ist die Vorstellung »der unmittelbare Erfolg des einzelnen bestimmten Aktes dieser Tätigkeit, durch den die Seele ein bestimmtes einzelnes Etwas, einen gegebenen Sinneseindruck, eine Empfindung oder Gefühlsperception... von sich unterscheidet« (Leib u. Seele, S. 319). L. KNAPP erblickt in der kombinierenden Nachaußensetzung der Empfindungen durch das Gehirn ihre Erhebung zur Vorstellung. »Das Empfinden drückt... ein in sich Finden, das Vorstellen aber ein sich Gegenüberstellen aus« (Syst. d. Rechtsphilos. S. 45). Nach W. ROSENKRANTZ ist die Vorstellung verschieden vom Subjekte und Objekte. sie ist »dasjenige, worin beide unter sich zur Einheit verbunden sind« (Wissensch. d. Wiss. I, 139 f.), entsteht durch Wechselwirkung von Subjekt und Subjekt (l. c. I, 182 ff.). HAGEMANN unterscheidet sinnliches und nicht sinnliches (reproduziertes u.s.w.) Vorstellen (Psychol.3, S. 41, 64). MAINLÄNDER bemerkt: »Die vom Gehirne nach außen verlegten Sinneseindrücke heißen Vorstellungen« (Philos. d. Erlös. S. 4). Und JESSEN: »Alles, was zu unserem Bewußtsein kommt, wird gleichsam vor unser Ich hingestellt und demgemäß als Vorstellung bezeichnet« (Phys. d. menschl. Denk. S. 111). J. BERGMANN versteht unter Vorstellung »das Haben eines Gegenstandes im Bewußtsein« (Grundprobl. d. Log.2, S. 31 f.). -


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