Traduzianismus

Traduzianismus heißt die Lehre, nach welcher die Seele des Kindes aus der Seele des Vaters (wie ein Sprößling, »tradux«) bei der Zeugung hervorgeht. Diese Lehre tritt schon auf bei den Stoikern, bei Epikur (Plac. philos. V, 3, 26. Themist., De an. II, 5. vgl. Galen IV, 699. XIX, 168, 170). Der Traducianismus (oder Generatianismus) erscheint dann bei den Apollinaristen (Nemes., De nat. hom. 2) und vor allem bei TERTULLIAN (De an 19 f., 27). Nach ihm ist die Seele ein Zweig (»surculus«) aus der Seele Adams (l. c. 9). Den Creatianismus (s. d.) vertreten u. a. LACTANTIUS (De opif. 8), CLEMENS ALEXAXDRINUS (Strom. IV, 23. V, 16), später auch CAMPANELLA (Physiol. 13), während u. a. LEIBNIZ einen modifizierten Traducianismus lehrt (Monadol. 72). Nach ROBINET ist die Seele schon in den Keimen bei den Eltern. Dagegen ist LOTZE der Meinung, »daß jene Phase des Naturverlaufs, in welcher der Keim eines physischen Organismus gestiftet wird, eine zurückwirkende Bedingung ist, welche den substantiellen Grund der Welt ebenso zur Erzeugung einer bestimmten Seele aus sich selbst anregt, wie der physische Eindruck unsere Seele zur Produktion einer bestimmten Empfindung nötigt« (Med. bezw. Psychol. S. 165).


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