Selbstbewußtsein

Selbstbewußtsein ist, als Korrelat des Außenweltsbewußtseins (s. d.), das Bewußtsein des eigenen Selbst, des Ich (s. d.) als des einheitlichen, permanenten, mit sich identischen, aktionsfähigen Subjekts (s. d.) individueller Erlebnisse. Das Selbstbewußtsein entwickelt, expliziert sich parallel mit dem Außenweltsbewußtsein durch immer weiter gehende Unterscheidung des ursprünglich noch wenig differenzierten Bewußtseinsinhaltes und durch Selbstbesinnung, Reflexion (s d.) des Denkens auf sich selbst. Zunächst erfaßt das Subjekt sich als Objekt unter Objekten, als Leib (s. d.), gegeben in einem bestimmten festen Zusammenhange von Empfindungen, Gefühlen, Strebungen. Die Tatsache der größeren Konstanz des Leib-Komplexes, ferner die Erscheinung des Schmerzes, der »doppelten Tastempfindung« beim Berühren des eigenen Leibes, die größere Herrschaft über den Leib bezüglich der Bewegung u.s.w., ferner das soziale Moment des Verkehrs mit andern Subjekten lassen das (im Ichgefühl ursprünglich wurzelnde) Selbstbewußtsein zu einem immer deutlicher werdenden Wissen um ein Selbst sich entwickeln. Der Unterscheidungsprozess geht allmählich dahin, das Selbst immer mehr zu zentralisieren, immer mehr aus der Vielheit in die Einheit zu ziehen, immer formaler werden zu lassen. Gilt zuerst der lebendige, beseelte Leib als das Selbst, so wird später das Selbst durch einen einheitlichen Komplex von Bewußtseinsinhalten, Vorstellungen vertreten, um schließlich auf das wollend- denkende Subjekt, auf den vorstellenden Willen sich zu konzentrieren, der nun bewußt alles andere sich als Objekt gegenüberzustellen vermag. Das Selbstbewußtsein ist nicht Spiegelung eines hinter dem Bewußtsein steckenden unbekannten Wesens, sondern es ist ein sich in sich als Selbständiges setzendes, seiner unmittelbar als Realität Gewisses, nur aber niemals in seiner absoluten Totalität und Reinheit empirisch Gegebenes, Erkanntes, sondern über alles Gegebene stets hinausragend, lebendige Aktuosität, Aktualität, die sich selbst immer wieder fixiert (s. Ich, Subjekt). Selbstbewußtsein ist auch das Bewußtsein eines Erlebnisses, Tuns als Zustand, Betätigung des Ich, also (urteilende) Beziehung eines Erlebnisses auf das Ich, auf das Subjekt, (reflexives) Bewußtsein des (funktionellen) Bewußtseins.

Historisch wird das Selbstbewußtsein bald als ursprünglich, bald als Entwicklungsprodukt, als unmittelbar oder als vermittelt angesehen. es gilt bald als Erfassung eines Transzendente (s. d.), bald als Selbstrealität, bald als substantiale oder aktuale Realität, bald als Erscheinung, Schein. bald als absolute Einheit, bald als gegliederte Vielheit (vgl. Ich).



Begriff und Definition des Selbstbewußtseins:


Antike, Scholastik, Neuzeit
Moderne I
Moderne II
Moderne III

 © textlog.de 2004 • 11.12.2018 21:22:52 •
Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z