Schönheit

Schönheit s. Ästhetik. Nachzutragen ist hier das Folgende:

Nach THOMAS gehört zur Schönheit dreierlei: »Primo quidem integritas sire perfectio. Et debita proportio sive consonantia, et iterum claritas« (Sum. th. I, 39, 8c). Er spricht von einer »per se pulchritudo« (De nom. 5, 1). - Nach KRUG ist die Geschmackslehre »die Wissenschaft von der ursprünglichen.

Gesetzmäßigkeit unseres Geistes in der Beurteilung eines Gegenstandes nach seiner Beziehung auf unser Lustgefühl«. »Wieferne bei jener Beziehung der äußere oder innere Sinn auf eigentümliche Art in Anspruch genommen wird, heißt diese Wissenschaft auch Ästhetik« (Handb. d. Philos. II, 3). Die reine Geschmackslehre zerfällt in ästhetische »Ideologie« und »Krimatologie« (l. c. S. 11). Das ästhetische Interesse ist formaler Art (l. c. S. 20). Die Schönheit ist 1) »diejenige Eigenschaft eines Dinges..., vermöge welcher es in dem Wahrnehmenden ein formales Wohlgefallen erregt« (l. c. S. 21). 2) »diejenige Eigenschaft eines Dinges..., vermöge welcher es in dem Wahrnehmenden mittelst seiner Form eine Ahnung des Unendlichen im Endlichen erregt und eben dadurch das Gemüt belustigt« (l. c. S. 26). 3) »diejenige Eigenschaft eines Dinges.... vermöge der es mittelst seiner Form die Einbildungskraft in ein freies, aber mit dem Verstande einstimmiges Spiel versetzt und eben dadurch daß Lebensgefühl der Wahrnehmenden erhöht« (l. c. S. 28). Nach SUABEDISSEN ist der Charakter des Schönen »Lebendigkeit, die ihr Maß in und aus sich hat, mit anderen Worte.: Leben in gesetzlicher, innerlich gehaltener Lebendigkeit« (Grdz. d. Lehre von d. Mensch. S. 184). Nach BENEKE beruht das Gefühl des Schönen auf lebhafter Erregung und zugleich Steigerung der »Urvermögen« (s. d.) zu gehaltener Kraft. Zu ästhetischen Gefühlen werden sie erst dadurch, »daß wir den Dingen aus unserem Innern die Stimmungen unterlegen, welche den Eindrücken entsprechen, die von den Dingen auf uns gemacht werden« (Lehrb. d. Psychol.3, § 246). - Nach CHR. KRAUSE ist Schönheit die »reine, klare und lebensvolle Gottähnlichkeit endlicher Naturen an ihrer Endlichkeit.« »Die Urquelle aller Schönheit ist Gott selbst und seine Kraft, in der alle Dinge sich regen« (Urb. d. Menschheit3, S. 41). Nach ZEISING ist die Schönheit oder die Idee als Anschauung »die als erscheinend aufgefaßte Vollkommenheit« (Ästhet. Forsch. S. 181). J. H. FICHTE erklärt: »Alles Schöne beruht... auf der innern Zusammenstimmung (›Harmonie‹) einer Mannigfaltigkeit von Teilen, durch welche die Teile zu einem geschlossenen Ganzen werden« (Psychol. I, S. 697). V. COUSIN bemerkt: »Le sentiment da beau est sa propre satisfaction à lui-même« (Du vrai, p. 141 ff.). Die Schönheit ist ein Ausdruck der geistigen und sittlichen Vollkommenheit (vgl. die Arbeiten von CHAIGNET und L'ÉVÊQUE). - Nach CZOLBE ist das Naturschöne »diejenigen speziellen oder eigentümlichen ruhenden und bewegten Formen der körperlichen und geistigen Welt, sowie diejenigen Farben- und Tonverbindungen, welche in sich harmonisch und unserer Organisation angemessen in der Seele eine besondere Gattung von angenehmen Gefühl erregen« (Gr. u. Urspr. d. m. Erk. S. 186). Das Kunstschöne ist »eine Nachahmung des Naturschönen (mit Einschluß der sozialen und wissenschaftlichen Verhältnisse), das mittelst der Phantasie und Technik durch einheitliche Hervorhebung des Charakteristischen oder Wesentlichen, durch eigentümliche, spannende Kombination, Vermehrung des Mannigfaltigen im Gegensatze zur ermüdenden Einförmigkeit des Lebens, Vermehrung der Kraft und Größe etc., immer aber als etwas Wahrscheinliches und innerlich Konsequentes oder Notwendiges - dem Ideale der Schönheit: der vollkommensten Welt oder dem Ziele ihrer Entwicklung näher gebracht wird«. »Aufgabe der Kunst ist es, dem Menschen das Sein-sollende (Ideale) vorzuhalten und ihn dadurch besser zu machen« (l. c. S. 187). - P. NATORP erklärt: »Ästhetisches Gefühl ist reines Tatigkeitsgefühl, Gestaltungsgefühl des Bewußtseins, nicht bloßes Lebensgefühl« (Sozialpäd. S. 314). Dem ästhetischen Objekt ist die Form, d. i. die »Einheit der Gestaltung«, wesentlich (l. c. S. 315). Das ästhetische Verhalten ist Spiel (l. c. S. 316). »Es ist das reine, doch zugleich über-individuelle, weil eben auf die Gestaltung von Objekten bezogene Selbstgefühl, was das Spiel der ästhetischen Gestaltung uns verschafft« (l. c. S. 316 f.). Nach J. COHN hat die Ästhetik »die besondere Art von Werten zu untersuchen..., die im Schönen und der Kunst herrschen« (Allgem. Ästhet. S. 7). Die Psychologie ist nur eine Hilfswissenschaft der Ästhetik (l. c. S. 11). Der ästhetische Wert hat Forderungscharakter (l. c. S. 137 ff.). Das Schöne im engeren Sinne ist »die konfliktlose Modifikation des Ästhetischen« (l. c. S. 168). Sie tritt da auf, wo »der Ausdruck ganz und gar in der Form sich offenbart« (ib.). - Nach G. SIMMEL ist das Schöne dasjenige, »was die Gattung als nützlich erprobt hat und was uns, insoweit die Gattung in uns lebt, deshalb Lust bewirkt, ohne daß wir als Individuen reale Veranlassung zu letzterer hätten« (Einleit. in d. Mor. I, 435). W. JERUSALEM bemerkt: »Schön ist... auf primitiver Stufe das, was Liebe erweckt, und dieser enge Zusammenhang zwischen Liebe und Schönheit bleibt bestehen« (Einl. in d. Philos. S. 12). Vgl. DE CROUSAZ, Traité du beau, 1724. ANDRE, Essay sur le beau, 1763. DIDEROT, Traité sur le beau, Oeuvres I, 309 ff.. W. HOGARTH, Analysis of beauty, 1772. G. F. MEIER, Anfangsgründe aller schön. Wissenschaften, 1748/50. K. VON DALBERG, Grundsätze d. Ästhet., 1791. H. ZSCHOCKE, Ideen zu einer psychol. Ästhet., 1793. L. BENDAVID, Versuch einer Geschmackslehre, 1799. KRUG, Kalliope, 1805. Geschmackslehre, 1810. FR. AST, Syst. d. Kunstlehre, 1805. H. LUDEN, Grundz. ästhet. Vorlesungen, 1808. A. W. SCHREIBER, Lehrb. d. Ästhet. 1809. K. FR. BACHMANN, Kunstwissenschaft. 1811, J. H. DAMBECK, Vorles. üb. Ästhet., 1822/23: GRIEPENKERL, Lehrb. d. Ästhet., 1827. FR. FICKER, Ästhet., 1830. J. JEITTELES, Ästhet. Lexicon, 1839. BOLZANO, Üb. d. Begriff d. Schönen, 1843. CHALYBAEUS, Wissenschaftslehre S. 392 ff.. C. 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