Rasse

Rasse ist ein Begriff, der in der Klassifikation von Organismen, insbesondere auch der Menschen sich ergibt. Eine menschliche Rasse ist ein körperlich und geistig (»Rassenseele«) typischer Zweig der Spezies Mensch. Die Rassenhaftigkeit, in einer Summe von Dispositionen (s. d.), in einem bestimmten psychisch-physischen Habitus bestehend, ist das Resultat des Zusammenwirkens des Milieu (s. d.) und innerer (biotischer, psychologischer, genetisch-historischer) Faktoren (Anpassung, Selektion u. a.). Die Rasse ist anpassungs- und entwicklungsfähig, aber nicht jede in gleichem Maße, Tempo und in gleicher Stabilisierung der erworbenen Eigenschaften. Der Rassenbegriff hat Bedeutung in der Biologie, Anthropologie, Ethnologie, Soziologie, Culturgeschichte u.s.w. Auf den Rassenbegriff allein gründet die Geschichtsphilosophie GOBINEAU (Degeneration der Völker durch Rassenmischung, Stabilltat der isolierten Rasse u. a.) (Versuch üb. d. Ungleichh. d. Menschenrassen 1898), ähnlich H. ST. CHAMBERLAIN (Grundlag. d. neunzehnt. Jahrh. I). Dagegen u. a. P. BARTH (Philos. d. Gesch. I, 250 f.), DRIESMANS (Rasse u. Milieu S. 96 ff.). GUMPLOWICZ legt der Soziologie (s. d.) den Begriff des »Rassenkampfes« zugrunde (Der Rassenkampf 1883). Den Anteil des physischen und geistigen Milieu an der Bildung und Entwicklung der Rasse betont C. JENTSCH (Socialauslese S. 158 ff.). So auch DRIESMANS, welcher definiert: »Unter der Rassenhaftigkeit eines Volkes ist... seine typisch in sich gefestigte Natur zu verstehen. ›Rasse‹ ist nicht etwas Stabiles: es gibt keine Rasse an sich, sondern nur eine rassebildende Kraft, welche tätig war, solange es Menschenwesen und Völker gab, aus der alle sogenannten - metamorphen - Rassen hervorgegangen sind, und welche immerwährend neue Rassen auf dem Wege glücklich überstandener Blutinfektion in die Erscheinung ruft« (Rasse u. Milieu S. 5). Die Rasse ist vom Milieu abhängig, gezüchtet, schafft sich aber auch selbst ihr (günstiges) Milieu (l. c. S. 36 ff.). Vgl. L. VAN DER KINDERE, De la race 186s.


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