Ökonomie des Denkens

Ökonomie des Denkens, Prinzip der, ist eine Anwendung des »Prinzips des kleinsten Kraftmaßes« (s. d.) auf die geistigen, intellektuellen Vorgänge. Es ist ein (biologisch-psychologisches) Prinzip der Leistung größtmöglicher geistiger Arbeit mit den geringsten Mitteln und führt zur Verdichtung, Vereinheitlichung und Ordnung des Erfahrungsinhaltes. HODGSON erklärt: »The fundamental law of all reasoning considered as an action is the law of parcimony, because it is the practical law of all voluntary effort to do the most we can with the least effort we can« (Philos. of Reflex. I, 296). W. JAMES bemerkt: »Der Trieb zur Sparsamkeit, zur Sparsamkeit nämlich mit den Mitteln des Denkens, ist der philosophische Trieb par excellence« (Wille zum Glaub. S. 71). - Von der »Ökonomie« des Geisteslebens spricht J. H. FICHTE (Psychol. II, 106). R. AVENARIUS stellt als geistiges »Prinzip des kleinsten Kraftmaßes« den Satz auf: »Die Änderung, welche die Seele ihren Vorstellungen bei dem Hinzutritt neuer Eindrücke erteilt, ist eine möglichst geringe.« »Der Inhalt unserer Vorstellungen nach einer neuen Apperzeption ist dem Inhalte vor derselben möglichst ähnlich« (Philos. als Denk. d. Welt, Vorw.). E. MACH erklärt: »Die Methoden, durch welche das Wissen beschafft wird, sind ökonomischer Natur« (Wärmelehre2, S. 39). Er betont, daß die Naturwissenschaft »den sparsamsten, einfachsten begrifflichen Ausdruck als ihr Ziel erkennt« (Die ökon. Natur d. physikal. Forsch. S. 21). Vermittelst der Denkökonomie vermag das Denken die Erfahrungen zu ordnen, zu beherrschen (vgl. R. HÖNIGSWALD, Zur Krit. d. Machschen Philos. S. 40 ff.). H. CORNELIUS betont: »Die Erklärung der Tatsachen erweist sich uns... überall als identisch mit dem Prozess einer Vereinfachung unserer Erkenntnis.« Es beruht dies auf einem Streben des Erkennens nach Vereinfachung (Einl. in d. Philos. S. 32). Das Prinzip der Ökonomie des Denkens ist das Grundgesetz aller Verknüpfungen unserer Erfahrungen, es ist »nichts anderes als der einfachste zusammenfassende Ausdruck unserer vorwissenschaftlichen wie unserer wissenschaftlichen Begriffsbildungen, welche aus den notwendigen Bedingungen für die Einheit unserer Erfahrung herfließen« (l. c. S. 257). HUSSERL bemerkt: »Vor aller Denkökonomik müssen wir das Ideal schon kennen, wir müssen wissen, was die Wissenschaft idealiter erstrebt..., ehe wir die denkökonomische Funktion ihrer Erkenntnis erörtern und abschätzen können« (Log. Unt. I, 209). Vgl. Ding.


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