Kategorien

Kategorien (katêgoriai von katêgorein, aussagen, »praedicamenta«): Aussagen, allgemeinste oder Grundaussagen über das Seiende, Grundbegriffe, Stammbegriffe, oberste Begriffe als Niederschlag von allgemeinsten Urteilen über das Seiende, Fundamentalbeurteilungen, Denkformen, Denksetzungen, Seinsarten. Die logischen Kategorien sind die allgemeinsten Begriffe, welche aus der denkenden Verarbeitung der Erfahrungsinhalte entspringen. Sie sind nicht direkt aus der Erfahrung (den Empfindungen, Vorstellungen) abstrahiert, sondern haben in dieser nur ein »Fundament«, d.h. die Erfahrung (das Gegebene) enthält Momente, die zur Setzung der Kategorien veranlassen, nötigen. Formal sind die Kategorien ein Produkt von Setzungen, Urteilen, ein Werk des beziehend-synthetischen Denkens. Aber sie sind nicht bloße Formbegriffe, sondern haben auch einen der (inneren) Anschauung entnommenen Inhalt, nämlich ein Verhalten des Ich, welches in und mit der Kategorie auf die Inhalte der äußeren Erfahrung übertragen, projiziert wird. Einheit, Identität, Beharrlichkeit (Substantialität), Wirken (Kausalität) sind Bestimmungen, die nicht objektiv erlebt (empfunden), auch nicht aus »angeborenen« Begriffen stammen, auch nicht bloß formale Beziehungen des Denkens sind, sondern Bestimmungen, die das Ich ursprünglich nur bei und in sich selbst vorfindet und nach deren Analogie es die Wahrnehmungsobjekte beurteilt, dies aber nicht willkürlich, sondern psychologisch und logisch motiviert durch das äußere (erfahrbare) Verhalten der Objekte, das dem äußeren (sinnlich-physischen) Verhalten des Ich gleichartig ist. Die subjektive Quelle der Kategorien ist also, in formaler und materialer Beziehung, das denkend-wollende Ich. Indem das Subjekt die Kategorien (primär nicht begrifflich, sondern in konkreter, unreflektierter Weise) auf den Inhalt seiner Erlebnisse, auf das Immanente (s. d.), anwendet, meint es (implizite, in der Wissenschaft und im philosophischen Realismus explicite) die transzendente Gültigkeit der Grundbegriffe, d.h. es setzt, postuliert mit ihnen transzendente, nicht objektiv erlebbare Faktoren der Objekte, es bereichert das Für-ein-Subjekt dieser um ein Eigen- und Fürsich-sein. Die Funktion der Kategorien (Kategorialfunktionen) sind also Herstellung von Einheit, Zusammenhang, Ordnung, Objektivität (»Objektivierung«) in den Erlebnissen und zugleich Setzung eines Transzendenten im Erkenntnisimmanenten (»Subjektivierung«, »Hypostasierung«). Insofern die Kategorien für jede mögliche Erfahrung notwendig Gültigkeit beanspruchen und insoweit sie nicht den Erfahrungsinhalten, sondern der Ichheit und dem Denken entspringen und in die Erlebnisse erst hineingelegt (introjiziert) werden, haben sie apriorischen (s. d.) Charakter. Insofern aber die Erfahrungsinhalte selbst den Anlaß zur Anwendung der Kategorien bieten und insoweit die Anwendbarkeit derselben beständig durch die Erfahrung erhärtet, erprobt wird, sind sie empirisch fundiert. - Die Urkategorie ist die »Ichheit«. Ihr objektiver Reflex ist die »Dingheit« (s. d.). Sie enthält schon das »Wirken«. Aus »Ding« und »Wirken« (Tun) gehen die Kategorien (und »Postprädikamente«, s. d.) »Substanz« (Sein) mit »Akzidenzen« (Eigenschaften, Zuständen), »Kausalität«, »Kraft«, »Zweck« u.s.w. hervor. »Ichheit« und »Dingheit« explizieren sich in »Einheit« (Identität), »Anderheit« (Verschiedenheit), »Vielheit«. Psychologische Kategorien sind Begriffe von allgemeinen psychischen Tätigkeiten und Zuständen. Ästhetische und ethische Kategorien sind Arten der Wertbegriffe (s. d.).

Die Kategorien werden betrachtet: 1) als Denkbestimmungen, die für das Seiende zugleich gelten; 2) als apriorisch-Subjektive, phänomenale Bestimmungen; 3) als empirisch-objektive; 4) als empirisch-subjektive Bestimmungen; 5) als bloß biologisch-wertvolle Begriffe. Also: rationaler, apriorischer Ursprung der Kategorien, Ursprung aus der äußeren, aus der inneren Erfahrung; aus dem Zusammenwirken von Denken und Erfahrung; Subjektive, objektive (transzendente) Gültigkeit der Kategorien; Elimination derselben.



Inhalt:


Platon, Aristoteles, Bacon, Hume
Kant
Schopenhauer, Cohen, Husserl
Fichte, Hegel, Schleiermacher
Trendelenburg, Lotze, Hartmann
Renouvier, Herbart, Nietzsche
Herbart, Spencer, Nietzsche

 © textlog.de 2004 • 13.12.2018 06:59:26 •
Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z