Stimmen der Nacht


1

 

Weit tiefe, bleiche, stille Felder -

O wie mich das freut,

Über alle, alle Täler, Wälder

Die prächtige Einsamkeit!

 

Aus der Stadt nur schlagen die Glocken

Über die Wipfel herein,

Ein Reh hebt den Kopf erschrocken

Und schlummert gleich wieder ein.

 

Der Wald aber rühret die Wipfel

Im Schlaf von der Felsenwand,

Denn der Herr geht über die Gipfel

Und segnet das stille Land.

 

2

 

Nächtlich wandern alle Flüsse

Und der Himmel, Stern auf Stern,

Sendet so viel tausend Grüße,

Daß die Wälder nah und fern

Schauernd rauschen in den Gründen;

Nur der Mensch, dem Tod geweiht,

Träumet fort von seinen Sünden

In der stillen Gnadenzeit.


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Seite zuletzt aktualisiert: 06.08.2005 
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