An meinen Bruder


1815

 

Was Großes sich begeben,

Der Kön'ge Herrlichkeit,

Du sahst's mit freud'gem Beben,

Dir war's vergönnt, zu leben

In dieser Wunderzeit.

 

Und über diese Wogen

Kam hoch ein himmlisch Bild

Durchs stille Blau gezogen,

Traf mit dem Zauberbogen

Dein Herz so fest und mild.

 

O wunderbares Grauen,

Zur selben Stund den Herrn

Im Wetterleuchten schauen,

Und über den stummen Gauen

Schuldloser Liebe Stern!

 

Und hat nun ausgerungen

Mein Deutschland siegeswund:

Was damals Lieb gesungen,

Was Schwerter dir geklungen,

Klingt fort im Herzensgrund.

 

Laß bilden die Gewalten!

Was davon himmlisch war,

Kann nimmermehr veralten,

Wird in der Brust gestalten

Sich manches stille Jahr.

 

Die Fesseln müssen springen,

Ja, endlich macht sich's frei,

Und Großes wird gelingen

Durch Taten oder Singen,

Vor Gott ist's einerlei.


 © textlog.de 2004 • 18.09.2019 16:01:43 •
Seite zuletzt aktualisiert: 06.08.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright