Die Freunde


1

 

Wer auf den Wogen schliefe,

Ein sanft gewiegtes Kind,

Kennt nicht des Lebens Tiefe,

Vor süßem Träumen blind.

 

Doch wen die Stürme fassen

Zu wildem Tanz und Fest,

Wen hoch auf dunklen Straßen

Die falsche Welt verläßt:

 

Der lernt sich wacker rühren,

Durch Nacht und Klippen hin

Lernt der das Steuer führen

Mit sichrem, ernstem Sinn.

 

Der ist vom echten Kerne,

Erprobt zu Lust und Pein,

Der glaubt an Gott und Sterne,

Der soll mein Schiffmann sein!

 

 

II

 

An L...

 

Vor mir liegen deine Zeilen,

Sind nicht Worte, Schriften nicht,

Pfeile, die verwundend heilen,

Freundesaugen, treu und schlicht.

 

Niemals konnte so mich rühren

Noch der Liebsten Angesicht,

Wenn uns Augen süß verführen,

Und die Welt voll Glanz und Licht:

 

Als in Freundesaugen lesen

Meiner eignen Seele Wort,

Fester Treue männlich Wesen,

In Betrübnis Trost und Hort.

 

So verschlingen in Gedanken

Sich zwei Stämme wundertreu,

Andre dran sich mutig ranken

Kron an Krone immer neu.

 

Prächt'ger Wald, wo's kühl zu wohnen,

Stille wachsend Baum an Baum,

Mit den brüderlichen Kronen

Rauschend in dem Himmelsraum!

 

III

 

An L...

 

Mit vielem will die Heimat mich erfreuen

Ein heitres Schloß an blaugewundnem Flusse,

Gesell'ge Lust, Mutwill und frohe Muße,

Der Liebe heitres Spiel, süß zu zerstreuen.

 

Doch wie die Tage freundlich sich erneuen,

Fehlt doch des Freundes Brust in Tat und Muße,

Der Ernst, der herrlich schwelget im Genusse,

Des reichen Blicks sich wahr und recht zu freuen.

 

Wo zwei sich treulich nehmen und ergänzen,

Wächst unvermerkt das freud'ge Werk der Musen.

Drum laß mich wieder, Freund, ans Herz dich drücken!

 

Uns beide will noch schön das Leben schmücken

Mit seinen reichen, heitern, vollen Kränzen,

Der Morgenwind wühlt um den offnen Busen!

 

IV

 

An Fräulein...

 

Schalkhafte Augen reizend aufgeschlagen,

Die Brust empört, die Wünsche zu verschweigen,

Sieht man den leichten Zelter dich besteigen,

Nach Lust und Scherzen durch den Lenz zu jagen.

 

Zu jung, des Lebens Ernste zu entsagen -

Kann ich nicht länger spielen nun und schweigen,

Wer Herrlichs fühlt, der muß sich herrlich zeigen,

Mein Ruhen ist ein ewig frisches Wagen.

 

Laß mich, solang noch trunken unsre Augen,

Ein'n blühnden Kranz aus den vergangnen Stunden

Dir heiter um die weiße Stirne winden;

 

Frag nicht dann, was mich deinem Arm entwunden,

Drück fest den Kranz nur in die muntern Augen,

Mein Haupt will auch und soll den seinen finden!

 

V

 

An Fouqué

 

1

Seh ich des Tages wirrendes Beginnen,

Die bunten Bilder fliehn und sich vereinen

Möcht ich das schöne Schattenspiel beweinen,

Denn eitel ist, was jeder will gewinnen.

 

Doch wenn die Straßen leer, einsam die Zinnen

Im Morgenglanze wie Kometen scheinen,

Ein stiller Geist steht auf den dunklen Steinen,

Als wollt er sich auf alte Zeit besinnen:

 

Da nimmt die Seele rüstig sich zusammen,

An Gott gedenkend und an alles Hohe,

Was rings gedeihet auf der Erden Runde.

 

Und aus dem Herzen lang verhaltne Flammen,

Sie brechen fröhlich in des Morgens Lohe,

Da grüß ich, Sänger, dich aus Herzensgrunde!

 

2

Von Seen und Wäldern eine nächt'ge Runde

Sah ich, und Drachen ziehn mit glühnden Schweifen,

In Eicheswipfeln einen Horst von Greifen,

Das Nordlicht schräge leuchtend überm Grunde.

 

Durch Qualm dann klingend brach die Morgenstunde,

Da schweiften Ritter blank durch Nebelstreifen,

Durch Winde scharf, die auf der Heide pfeifen,

Ein Harfner sang, lobt' Gott aus Herzensgrunde.

 

Tiefatmend stand ich über diesen Klüften,

Des Lebens Mark rührt' schauernd an das meine,

Wie ein geharn'schter Riese da erhoben.

 

Kein ird'scher Laut mehr reichte durch die Lüfte,

Mir war's, als stände ich mit Gott alleine,

So einsam, weit und sternhell war's da oben.

 

3

In Stein gehaun, zwei Löwen stehen draußen,

Bewachen ewig stumm die heil'ge Pforte.

Wer sich, die Brust voll Weltlust, naht dem Orte,

Den füllt ihr steinern Blicken bald mit Grausen.

 

Dir wächst dein Herz noch bei der Wälder Sausen,

Dich rühren noch die wilden Riesenworte,

Nur Gott vertraund, dem höchsten Schirm und Horte -

So magst du bei den alten Wundern hausen.

 

Ob auch die andern deines Lieds nicht achten,

Der Heldenlust und zarten Liebesblüte,

Gedanken treulos wechselnd mit der Mode:

 

So felsenfester sei dein großes Trachten,

Hau klingend Luft dir, ritterlich Gemüte!

Wir wollen bei dir bleiben bis zum Tode.


 © textlog.de 2004 • 27.06.2019 06:48:15 •
Seite zuletzt aktualisiert: 06.08.2005 
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