Erkenntnis - Empirismus: Locke, Berkeley, Hume


Der Empirismus (s. d.) gründet alle Erkenntnis auf (äußere und innere) Erfahrung (s. d.). So F. BACON, der eine Theorie der Induktion (s. d.) gibt. Nach HOBBES geht alle Erkenntnis auf die Ursachen, auf das dioti der Dinge (Elem. phil. I, C. 6, 1). LOCKE betont, Erkenntnis sei nur möglich, wenn die Vorstellungen ihren Archetypen, den Gegenständen, entsprechen (Ess. IV, ch. 4, § 8). Erkenntnis (knowledge) ist die Auffassung (perception) der Verbindung (connexion) und Übereinstimmung (agreement) oder des Widerstreites (repugnancy) unter den Vorstellungen (l.c. IV, ch. 1, § 2; ch. 7, § 2). Alle Erkenntnis entspringt aus der »sensation« oder »reflection«. Sie ist beschränkt, abhängig von der Natur der Seele, deren Organe den Lebensbedingungen angepaßt sind (l.c. II, ch. 23, § 12). Es gibt intuitive, demonstrative und sinnliche Erkenntnis. »Of real existence we have an intuitive knowledge of our own, demonstrative of God's, sensitive of some for other things« (l.c. IV, ch. 3, § 21). Die intuitive Erkenntnis ist »irresistible«, ein »clear light«, weil hier die Übereinstimmung in den Vorstellungen »immediately by themselves, without the intervention of any other« gefunden wird (l.c. ch. 2, § 1). Die einfachen Vorstellungen (»simple ideas«) sind das Produkt der Einwirkung der Dinge auf uns (l.c. IV, ch. 4, § 4). Die mathematische Erkenntnis ist eine sichere (l.c. § 6). BERKELEY erklärt Erkenntnis als ausgedehntere Auffassung, durch die »Ähnlichkeiten, Harmonien, Übereinstimmungen in den Naturwerken entdeckt und die einzelnen Erscheinungen erklärt, d.h. auf allgemeine Regeln zurückgeführt werden« (Principl. CV). Die Erkenntnis bezieht sich nicht auf Dinge außer dem Bewußtsein - solche gibt es nicht, weil esse = percipi, sondern auf die Gesetzmäßigkeit des Vorstellungszusammenhanges (l.c. CVII). Außer der Erkenntnis objektiver Vorstellungen (Ideen, s. d.) gibt es eine (indirekte) Erkenntnis der Geister (s. d.) (l.c. LXXXVI). Die mathematische Erkenntnis ist nicht frei von Irrtümern in den Voraussetzungen (l.c. CXVIII). CONDILLAC leitet alle Erkenntnis der Dinge aus den Empfindungen (s. d.) ab. »Le principal objet de cet ouvrage est de faire voir comment toutes nos connaissances et toutes nos facultés viennent des sens, ou, pour parler plus exactement, des sensations« (Trait. d. sens., Extr. rais. p. 31). HUME: reduciert die Erkenntnis auf erfahrungsmäßige Verknüpfung von Vorstellungen (s. Idealismus). Die sog. »ersten (letzten) Ursachen« sind uns unbekannt. Apriorisches Wissen gibt es nur in der Mathematik. Es gibt mathematische Gewißheit, Erfahrungserkenntnis und Wahrscheinlichkeit (s.d.) (Treat. III, sct. 11, S. 172). Die Erkenntnis von Tatsachen beruht auf Gewohnheit (s. d.) und Assoziation (s. d.), auf einem natürlichen Triebe oder Instinkte, auf einem biologisch - psychologischen Prinzip. Ohne »Impressionen« (s. d.) keine wahre Erkenntnis. - Die schottische Schule nimmt als Grundlage der Erkenntnis »self-evident truths«, apriorisch (s. d.) gültige Prinzipien, an.


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