Diskuriv

Diskursiv: durchlaufend, von einem Inhalt zum andern übergehend, sukzessiv Stück für Stück verbindend ist das Denken (besonders als Schließen), im Gegensatze zur Anschauung, Intuition.

Bei PLOTIN ist die Rede vom en diexodô... epexienai (Enn. VI, 2, 21). THOMAS stellt einander gegenüber »discursive« (durch Folgerung) und »simplici intuitu« (Sum. th. II. II, 180, 6 ad 2); »discursus est quidam motus intellectus de uno in aliud« (Qu. anim. 7 ob. 3). HOBBES: »Per seriem imaginationum intelligo successionem unius cogitationis ad aliam; quam, ut distinguatur a discursu verborum, appello discursum mentalem« (Leviath. I, 3; vgl. De corpor. C. 25, 9). Die Logik von PORT-ROYAL erklärt: »Discursum vocamus illam mentis operationem, per quam e pluribus iudiciis aliud dicimus« (p. 1). LEIBNIZ versteht unter »discursus« den sukzessiven Denkverlauf. Nach CHR. WOLF ist ein »indicium discursivum« eines, »quod per rationem dicitur« (= »dianoëticum«, Phil. ration. § 51). KANT unterscheidet die »diskursive (logische) Deutlichkeit durch Begriffe« von der intuitiven Deutlichkeit (Kr. d. r. Vern. S. 9). Das menschliche Denken ist diskursiv, nicht »intellektuelle Anschauung« (s. d.), es ist begrifflich (l.c. S. 88). Der Raum (s. d.) ist kein »diskursiver« oder »allgemeiner« Begriff (l.c. S. 52). KRUG nennt das »mittelbare Vorstellen« (das Begriffliche) »diskursiv«, »quoniam mens discurrit quasi inter notas ad eas in unam repraesentationem concipiendas« (Fundam. S. 175). Nach G. E. SCHULZE hat die diskursive Erkenntnis ihren Namen davon, »daß zur Entstehung derselben ein Vergleichen mehrerer Erkenntnisse und ein Übergang des Geistes von der einen zur andern erforderlich ist« (Gr. d. allg. Log.3, S. 4). FRIES nennt die Erkenntnis eine diskursive (gedachte, logische) »deren wir uns erst mittelbar bewußt werden, indem wir Merkmale zu Begriffen und Urteilen zusammensetzen« (Syst. d. Log. S. 87; N. Krit. I, 83). WUNDT bemerkt: »Diskursiv nennt man das Denken eben deshalb, weil es nie gleichzeitig mehrere Verbindungen vollzieht, sondern in einem einzigen Akte immer nur von einer bestimmten Vorstellung zu einer einzigen andern fortschreiten kann« (Log. I, 139).


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